PetriChor Weende

Das zeitlose Requiem von Mozart wird immer ein Publikumsmagnet bleiben. Geschrieben als Totenmesse kondensiert es die tiefsten Emotionen menschlichen Lebens. So war es nicht überraschend, dass die Ankündigung der Aufführung des Petrichors-Weende mit dem Göttinger Barockorchester die Kapazitäten der Kirche St. Paulus sprengte und einige Kurzentschlossene auf die zweite Aufführung vertröstet werden mussten. 

Martin Kohlmann, der Leiter des Petrichors, gestaltete eine dynamische, animierende Interpretation, mit zügigen Tempi und belebtem Gestus. Das Stück begeisterte vor allem durch die sichtbare Leidenschaft der Sänger, die sich mit Seele und Körper dieser bewegenden Musik hingaben. So wippte der Chor im Rhythmus des Quam olim oder bebte bei den Paukenschlägen des Rex tremendae, um der Musik den passionierten Impuls zu geben.

Die vier Solostimmen, Sopran (Magdalena Hinz), Alt (Paula Meisinger), Tenor (Tobias Meyer), Bass (Johannes Schwarz), harmonierten wunderbar zusammen. Vor allem der Sopran bestach mit Klarheit und sehr feinfühliger Modulation der emotionalen Schattierungen. Beim Recordare woben sich die vier Stimmen ergreifend ineinander und sorgten für einen Höhepunkt im Konzert.

Die Balance der Stimmgruppen im Chor ging zeitweise verloren. Innerhalb der Männerstimmen gab es Inhomogenitäten, die den einheitlichen Klangkörper gelegentlich aufbrechen ließen. Bei den Frauenstimmen überwog der stimmlich bessere Alt den Sopran. Doch man muss auch bekennen, dass der Chor sich im Laufe des Stücks immer mehr und mehr steigerte und schließlich im Agnus Dei mit gefühlvollem Pathos sehr ausgewogen kulminierte.

Das Barockorchester lieferte eine lupenreine Leistung. Mit sehr viel Achtung vor der Gesamtharmonik, untermalte es den Chorklang mit Präzision und Temperament. Es baute die gefühlvolle Basis, auf die sich der Chorklang setzten konnte und glänzte an den Solostellen wie zum Beispiel dem Tuba mirum. Wenn man dem Orchester etwas vorwerfen kann, dann, dass Martin Kohlmann es teilweise zu dezent führte. Besonders die Blechbläser hätten sich an manchen Stellen mehr trauen dürfen, um die gesamte Kirche auszufüllen.

Eingerahmt wurde das Requiem von zwei Stücken. Zur Eröffnung gab es „Summa“ von Arvo Pärt“, einmal in der a capella Fassung für die 4 Solostimmen und einmal in der Orchesterfassung. Es ist ein meditatives Stück, in dem eine einfache Melodie cyclisch wiederholt wird. Es hat als sehr beruhigendes, gleichförmiges Werk seinen eigenen Reiz, passte aber als Vorbereitung auf das pathetische Requiem atmosphärisch nicht so gut ins Programm.

Am Ende stand „Pater Noster“ von Peteris Vasks, klasse gesungen von den vier Solokünstlern.

Es schloss sich in seiner Stimmung sehr gut ans Requiem an. Es bildete mit seinem leicht wehmütigen Charakter und seinen sanft fließenden Choralklängen einen bewegenden Abschluss.

Sicherlich blicken alle Zuhörer dem nächsten Konzert erwartungsvoll entgegen und werden sich daran erinnern, diesmal die heiß begehrten Karten besonders früh zu buchen. 

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