Nörgelbuff

Es beginnt mit dem Satz: „Ich spiel‘ jetzt meinen letzten Song.“ – dieses Konzert versprach, von Beginn an lustig zu werden. Tom Lüneburgers erster Auftritt im Nörgelbuff wird zu einem Abend, der wie ein intimes, verständnisvolles und aufmunterndes Gespräch unter Freunden nachwirkt. Die Seele fühlt sich gründlich gepeelt und gebadet, gut duftend eingeölt, realistisch aufgeklärt und startklar für kommende Überraschungen.

Auf der Bühne des Nörgelbuffs zeichnet sich ein schlichtes Bild ab: im Hintergrund ein Gitarrenkoffer, auf dem in naiv wirkender Druckschrift „Tom Lüneburger“ geschrieben steht, ein grundsympathischer Mann in schlichtem Hemd und noch schlichterer schwarzer Hose. Mit seinem kahl geschorenen Kopf lässt sich der Mann kaum wiedererkennen: es handelt sich um Tom Lüneburger, der vor 10 Jahren seine Solokarriere begann, nachdem seine Band sich aufgelöst hatte. 2011 kam die Single „We are one“ mit Stefanie Kloß (Silbermond) heraus. Nach 10 Jahren Pause tourt Tom Lüneburger nun wieder durch Deutschland und hält ein Repertoire neuer Songs, Emotionen, Herangehensweisen und Erfahrungen bereit.

Mit verschiedenen Gitarren, einer Mundharmonika, technischem Zubehör und einem meisterhaften Einsatz des Abstandes zum Mikrofon schafft Tom Lüneburger allein auf der Bühne ein vielseitiges musikalisches Spektrum: ein bisschen Liedermacher, ein bisschen Rock, ein bisschen Country. Seine Stimme, ebenso vielseitig – leicht rau, heiser und eindringlich in Höhen und Tiefen –, trägt das Entscheidende zur stimmungsvollen Atmosphäre bei.

Die neue EP „The Punch“ erzählt von den Erlebnissen, die Tom Lüneburger in den 10 Jahren begegneten. Er habe sie für eine weibliche Person geschrieben, „die es faustdick hinter den Ohren hat und mich, glaube, alle Haare gekostet hat“, berichtet Lüneburger. Aus den Texten sprechen Emotionen aller Art: Wut, Trauer, Verzweiflung, Sehnsucht und ein Stückchen Bewunderung. Das Schöne: Tom Lüneburger kennt emotionalen Schmerz nicht nur, er kann ihn auch so ausdrücken, dass das Publikum sich damit identifizieren kann. Dabei verliert Lüneburger sowohl textlich als auch melodisch nie den Bezug zum Positiven. Ein Song wie „Time is a healer“ berichtet letztlich von Urvertrauen – „es geht immer weiter“. Ähnlich wirkt auch der Song „On track“ -ermutigend und verständnisvoll zugleich.

Zwischendurch fragt Tom: „Seid ihr traurig?“ – dann seine Antwort auf ein halb-ironisches „Ja“ aus dem Publikum: „Müsst ihr nicht sein.“ Und so einfach ist es bei einem Konzert von Tom Lüneburger scheinbar tatsächlich. In seiner sarkastischen Berliner Art, die mit mehr Zurückhaltung gepaart ist als erwartbar, holt er das Publikum immer wieder aus den ernsten und schweren Themen seiner Songs heraus. Es ist diese Melancholie in seiner Musik und seiner Präsenz, die von außen sichtbar ist und berührt, weil sie stets und überall existiert. Es ist gleichzeitig diese Melancholie, die beruhigend wirkt, weil der Mann auf der Bühne sie auch kennt und trotzdem lacht. Tom Lüneburger changiert zwischen Traurigkeit und Melancholie – zwischen dem Zulassen des Trauergefühls und der Möglichkeit, daraus Positives entstehen zu lassen.

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