Deutsches Theater

Der Name ist Programm. Aber wenn sich Michael Frei als Fachmann für alltägliche und besondere Krisen vorstellt, dann natürlich mit einem charmanten Augenzwinkern. Auch als „Dr. Feelgood“ strahlt der musikalische Leiter des Deutschen Theaters in seinem weißen Kittel schon eine charmante Dosis Optimismus aus. Auf der DT-2 Bühne warten schließlich bereits die Patienten auf diesen Dr. Müller-Wohlfühl, der vor allem klangvolle Apparatemedizin betreibt. Klavier und Gitarre stehen für die musikalische Diagnose und die anschließende Therapie bereit und auch ein Trio engagierter Assistenten, die sich auf musikalischen Support mit Bassbalalaika, Cachon, Gitarre, Violine und Posaune verstehen. Und so kann Michael Frei seine erste musikalische Sprechstunde auch ganz entspannt mit der klassischen Frage „was fehlt Ihnen?“ eröffnen.

„Ich hab so Sehnsucht“ klagt zunächst Angelika Fornell und besingt den Zauber der Operette, der irgendwo auf der Welt auch ein kleines bisschen Glück verspricht. Für Daniel Mühe und seine Beziehungskrise empfiehlt der Medicus Musicalis einen 12/ 8 Takt und erfährt, was „Element of Crime“ dazu anmerkt, bevor er zum Rezeptblock greift. um bei Benjamin Kempf gleich ein weiteres Herzeleid zu behandeln. Die Jugendliebe mit dem Cello ist offenbar nicht so leicht zu kurieren. „Sie waren doch gerade erst gestern da“, nörgelt der Mann am Klavier, auf dass auch die begleitende Stimme von Dorothée Neff an der Posaune jetzt heilsame Wirkung hat.

Im Wartezimmer herrscht weiterhin Hochbetrieb, denn natürlich hat Michael Frei für seine Idee einer musikalischen Praxis viel Zuspruch vom DT-Ensemble erfahren. Dr. Müller-Wohlfühl hat nämlich in der kommenden Spielzeit viel vor. Er plant eine Reihe von Liederabenden mit wechselnden Ensemblepatienten, die dann in seiner Praxis ihre musikalischen Favoriten präsentieren und natürlich all die Herz- und Schmerzgeschichten, die in den Songs erzählt werden. Darauf möchte er im Bündnis mit dem Schauspielteam mit diesem Abend zur Praxiseröffnung einstimmen.

Männer- und Frauenrollen und die widersprüchlichen Erwartungen sind natürlich auch ein Thema, das die musikalischen Gemüter bewegt. Davon wissen vor allem Gregor Schleuning und Marius Ahrendt ein Lied zu singen, die sich mit Johannes Frei zum Debüt von Dr. Müller-Wohlfühl als „Hausmeisterband“ präsentieren um seine Patienten mit der passenden Klangstimmung zu versorgen.

Der nächste bitte ist Mirjam Sommer, die sich einfach etwas Positives wünscht und mit „somebody to lean on“ auch ziemlich straight ihr Rezept bekommt. Bei so viel Tragik wie sie Rebecca Klingenberg dann mit dem Abba-Hit „The winner takes it all“ anklingen lässt, hat der Pianosound auch dramatisches Format. Mit Gerd Zinck und einem Randy Newmann Song fällt die musikalische Diagnose dann etwas kontemplativer aus. Christoph Türkey ist der nächste Patient mit einem Song von Tom Waits aus dem „Woyzeck Musical“, bei dem sich die Wohlfühl-Praxis in einen schmerzhaft berührenden Klangraum verwandelt. Unter die Haut geht auch die Stimme von Andrea Strube bei „Creep“ von Radiohead nach der Ansage „ multiple Insuffizienz“. Natürlich genügt dem Mann in Weiß am Klavier bereits der schlichte Hinweis, „irgendwas ist falsch gelaufen“, was ihm Nikolaus Kühn mit Marius Müller-Westernhagens schwer angeschlagenem Hänger musikalisch gern bestätigt. Singen müssen auch unwillige Patienten wie Florian Eppinger, die eigentlich nur ein Rezept gegen Alpträume abstauben wollen, bevor Christina Jung mit „looking freedom“ die Atmosphäre noch mal kräftig aufmischt und Katharina Möller die Theaterpraxis in einen Bluesclub verwandelt. „Hass mich oder lieb mich, ist mir doch egal“. Das klingt nach einer Kampfansage, auf die das Wartezimmerensemble ebenfalls gespannt ist. Das studiert jetzt auch noch mal die Rezeptblätter, was es mit den heilenden Empfehlungen eigentlich auf sich hat. Dr. Müller-Wohlfühl kuriert natürlich musikalisch und in diesem Fall eben mit Noten. Für ihn gehört ein gemeinsamer spontaner Schlusschor mit allen Patienten zum Praxisdebüt. So viele werden es bei den Sprechstunden in der kommenden Spielzeit vermutlich nicht. Aber da lässt sich Michael Frei bei seinen Plänen für weitere Liederabende auch gern überraschen, welche Ensemblemitglieder sich dann mit ihren musikalischen Favoriten in seinem Wartezimmer auf der DT-2 Bühne einfinden.

Kommentare powered by CComment

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Lieber Gast,
vielen Dank für Ihr Interesse an den Seiten des Kulturbüro Göttingen. Die Erstellung von Terminen und Texten kostet Geld - denn es sind Menschen, die diese Termine erfassen oder die Texte schreiben. Deshalb bitten wir Sie, entweder ein Abonnement abzuschließen oder für diesen einzelnen Beitrag einen Betrag zu bezahlen.
Vielen Dank!

OpenAir-Kino am Brauweg

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok