GSO Serenade

Zu bewegtem Spiel trafen sich Flöte, Geige und Cello

DasProgramm ist nicht ganz gewöhnlich“: Mit diesen einleitenden Worten weckte Johann-Sebastian Sommer zunächst einmal Neugier im Saal des Alten Rathauses. Wie sich herausstellte, kam es dank seines wachen Blickes zu dieser vielfältigen musikalischen Zusammenstellung für die Rathaus-Serenade, entdeckte er doch im Vorfeld zwei bisher kaum gespielte Kompositionen von Günter Bialas und Heitor Villa-Lobos im Regal. So stellte er den beiden Komponisten noch Werke von Tommaso Giordano, Paul Hindemith und Albert Roussel zur Seite. Es wurde ein lebendiger Konzertabend mit einer absolut stimmigen Auswahl, die Antje Vetterlein-Helm (Flöte), Yair Lantner (Viola) und Johann-Sebastian Sommer (Cello) unter dem Obertitel „Virtuos“ präsentierten.

Im ersten Stück, dem Trio Nr. 2 G-Dur für Flöte, Viola und Violoncello hatte Komponist Tommaso Giordani (1730 - 1806) die Flöte zur „1. Geige“ ernannt. Dass sich diese Rollenverteilung in ihrer Wirkung als äußerst passende Kombination erweist, zeigte sich auch an diesem Abend sehr intensiv. Ein bezauberndes, locker-leicht gespieltes Allegro spirituoso eröffnete den Abend. Sanft erfüllten die warmen Melodien in stetig wechselnden Tempi und dem stets wiederkehrenden und schön gespielten Hauptthema den Saal. Die spielerische Leichtigkeit, sowohl der Musiker als auch des Werkes, zog sich weiter in das zarte Allegretto ma non troppo. Johann-Sebastian Sommer beeindruckte auf dem Cello mit Klängen der Sehnsucht, getragen vom bezaubernd hellen Schimmern der Flöte, hervorragend gespielt von Vetterlein-Helm.

Fast im Kontrast zeigte sich das „Duett für Viola und Violoncello” von Paul Hindemith (1895 - 1963). Es wirkte wesentlich eindrücklicher, mit eigenwilligen wie kraftvollen Akzenten des Cellos. Das Zupfen der Saiten lockerte die energische Klangstruktur ein wenig auf. Nach aller Abstraktheit trafen sich die beiden Musiker mit ihren Instrumenten in einem schönen, gemeinsam ausklingenden Finale.

Anschließend kehrte die wunderbare Leichtigkeit der Flöte zurück, im Trio 1945 für Flöte, Viola und Violoncello von Günter Bialas (1907 - 1995). Filigran, erhellend und stets mit warmen Klängen, schlängelte sich der Flötenklang in der Sinfonia geschickt durch die präzise gespielten und schwermütiger wirkenden Sequenzen von Cello und Violine. Stellenweise ertönten die Melodien der Flöte jedoch auch kraftvoll, zuweilen fast pfeifend. Die Aria hingegen wirkte ruhig und melodisch; wunderbar erklangen die gemeinsamen sanften Passagen, denen sich erneut ein dynamischer Wechsel anschloss, gleichwohl aufgelockert durch das Zupfen der beiden Streichinstrumente. Das berührende Hauptthema wurde zunächst von Yair Lantner auf der Geige und dann von Antje Vetterlein-Helm auf der Flöte aufgegriffen. In der Gavotte zeigte man sich wieder lebendiger, aber auch dramatischer, mit erneut energischem, aufgeregtem Spiel der Flöte, hinein in Melancholie.

Es folgte Assobio a Jato, 1950, für Flöte und Violoncello von dem brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos. Die Musiker spielten ein hervorragendes Allegro grazioso, in dem sich die tänzelnden Klänge der Flöte und das vor Sehnsucht klagende Cello gegenüberstanden. Das Stück lebt von melodisch sehr unterschiedlichen Passagen mit einer geradezu erregt wirkenden Flöte. Ihrerseits folgten scharfe Klänge mit intensiver, aber auch tänzelnder Dynamik, die im Andante wieder zur Ruhe kamen. Im letzten Satz folgten erneut kraftvolle Klänge des Cellos, und in melodischem Fluss die Flöte, die jedoch erneut in eindringlich langgezogene Töne hineinglitt. Es war ein hinreißend gespieltes Miteinander von Cello und Flöte, dass zugleich Anmut und Tragik vereinte. In diesem Stück zeigten sich die unterschiedlichen Einflüsse, die Villa-Lobos in seiner späten Schaffensperiode miteinander vereinte.

Die Musiker brachten an diesem Abend die enorme Klangvielfalt in den Werken zum Ausdruck, die sie mit dem Trio op. 40 (d-moll,1929, für Flöte, Viola und Violoncello von Albert Roussel (1869–1937) ausklingen ließen. Im Allegro grazioso bahnte sich die Flöte tapfer ihren Weg durch die verworren wirkenden Sequenzen von Geige und Cello, die sich im Andante in einem äußerst feinfühligen Miteinander wiederfanden. Das sprühende Allegro non troppo beendete das Konzert mit einer energisch und raffiniert gespielten Flöte. Besonders schön waren zudem die gezupften Passagen von Geige und Cello.

Als Dank für die anhaltenden Ovationen des Auditoriums spielten die Musiker noch einmal den dritten Satz aus dem Trio von Bialas.

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