Figurentheatertage

Mist, der Künstler bittet darum, währen der Veranstaltung keine Photos zu machen. Da habe ich nun extra meine Kamera zur Veranstaltung „Plastic Heroes“ zu den Göttinger Figurentheatertagen mitgebracht. Und die Veranstalter haben einen schönen Platz für mich organisiert, damit ich gut photographieren kann. Also nicht. Dann kann ich nicht meine Bilder als Erinnerungsstütze hernehmen, sondern muss mir Notizen machen. Ich beobachte, wie der israelische Figurenspieler Ariel Doron sein Schlachtfeld mit Inhalt füllt: zunächst nur ein friedlicher Plüsch-Tiger. Der sieht einen Plastik-Panzer vor sich herfahren. Das ist noch ziemlich harmlos.

Das ändert sich schlagartig: Soldaten ziehen auf, Helikopter landen. Kampfgeräusche klingen, Befehle werden gerufen. Und plötzlich werde ich angeschrien: was schreiben Sie da?? Realität und Fiktion verschwimmen. Genauso wie bei dem Wachsoldaten, der bei großer Hitze seinen Dienst schieben muss. Plötzlich ist Ariel Doron der Soldat, der einen Schokoriegel ist und dann eine Cola trinkt – wobei er sich heftig bekleckert.

Das ganze Spiel hat eine gewisse Komik, bei der den Zuschauerinnen und Zuschauern im prall gefüllten Apex-Saal aber immer wieder das Lachen im Halse steckenbleibt. Letztlich ist das Spiel eine grotesk in Szene gesetzte Demonstration gegen den Krieg und eine Persiflage auf seine Mittel, Regeln und Verklärungen.

Mich, den Kriegsdienstverweigerer, lässt das überhaupt nicht kalt. Und in den Zeiten, in denen Göttingen uneinig ist, in welcher Form man sich zu den Friedensbemühungen in und um Israel äußern darf, ist der Abend mit Ariel Doron endlich ein eindeutiger Standpunkt.

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