Holocaust-Gedenktag

Am Holocaust-Gedenktag am vergangenen Sonntag sang und spielten ein Projektchor sowie Instrumentalistinnen und Instrumentalisten in der Göttinger katholischen St. Pauluskirche. Das Konzert unter Carolin Hlusiaks Dirigat war 24 Stunden zuvor von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) abgesagt worden.

Trotz der Absage fand das Konzert in eigener Regie statt, getrieben durch die Musizierenden. Grund für die Absage sind laut Medienberichten Differenzen zwischen Jüdischer Gemeinde und der GCJZ. Die zu Konzertbeginn verlesene Erklärung zielt darauf ab, dass Chor und Instrumentalistinnen und Instrumentalisten ein Zeichen des Friedens setzen wollen. Einen Anlass zum Konflikt bot laut Göttinger Tageblatt auch das letzte Stück des Konzerts, dass zugleich titelgebend für den Abend war: Mendelssohn-Bartholdys Vertonung von Luthers „Verleih‘ uns Frieden“. Von Interesse in diesem Zusammenhang ist die antijudaistische Hetze Martin Luthers.

Carolin Hlusiak hatte ein Programm zusammengestellt, das die Werke von Komponisten seit dem 19. Jahrhundert zusammenbringt, darunter hebräisch- und deutschsprachige Texte. Einzige Ausnahme ist Salomone Rossis frühbarocke Psalmvertonung der Nummer 121 auf Hebräisch. Zwischen Rossis Psalm 121 und den heutigen Zeitgenossen Nick Page, Stephen Freedman, Daniel Kempin und Jitzchak Husband-Hankin geschieht mehr als das Verstreichen der Jahrhunderte, was das Konzertprogramm allemal zeigen konnte.

Beeindrucken konnte besonders der Auftakt des Konzerts mit drei Versionen des De profundis. Louis Lewandowskis Vertonung des 130. Psalms wird eröffnet von einer Solopassage, die Barbara Schäfer interpretierte. Die Sopranistin überzeugte nicht nur mit Klarheit, sondern brachte die Dichte und Tiefe des Textes zum Ausdruck, ohne dem Kitsch zu verfallen: „Aus den Tiefen ruf‘ ich dich, o Ewiger! / Herr, erhöre meine Stimme“. Weitere Höhepunkte bildeten das Doppelquartett mit Mendelssohn-Bartholdys Denn Er hat seinen Engeln befohlen sowie Lewandowskis Synagogen-Melodieen op.47 mit Ilsabé Fulda an der Orgel.

Carolin Hlusiak ist es nicht nur gelungen, ein Programm mit Abwechslung und Anspruch zusammenzustellen. Ihr Verdienst ist auch, Projektchor, Solistinnen und Solisten sowie Instrumentalistinnen und Instrumentalisten zu einem Ganzen zu fügen. Dass die Pauluskirche an diesem Konzertabend voll besetzt war, ist eine Freude und der Applaus der Dank eines begeisterten Publikums.

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