Deutsches Theater

Zwei Jahre nach seinem letzten Besuch kehrte Schriftsteller und Kolumnist Wladimir Kaminer mit weiteren Familiengeschichten und seinen neuesten Büchern nach Göttingen zurück. Bereits vor Veranstaltungsbeginn hatte er sich bei Wein und Obst unauffällig und überraschend im DT-Foyer platziert und zeigte sich kommunikations- und signierfreudig.

Wer sich am Samstagabend aus seinen trockenen und warmen vier Wänden heraus begab und den Weg durch die niederschlagsreiche Kälte ins Deutsche Theater wagte, wurde definitiv belohnt:

Mit einer hervorragenden Mischung ausgewählter Texte aus seinem Repertoire an Kolumnen und Büchern schuf Kaminer eine ausgelassene Atmosphäre, in der kein Auge trocken blieb. Kaminer berichtete über seine aktuelle Familiensituation: Über seine inzwischen studierende Tochter, von der eigentlich niemand so richtig weiß, was sie nun eigentlich genau studiert, deren wissenschaftliche Texte Kaminer jedoch regelmäßig redigiere oder vielmehr „lustige Texte“ daraus bastele...Und dann sein 19 ½ - jähriger Sohn, der aktuell eine Phase der Selbstfindung durchläuft, er suche jedoch am falschen Ort, nicht etwa in der großen weiten Welt, wie es sich in diesem Alter gehöre – nein - sondern zwischen Wohnzimmer und Küche der elterlichen Wohnung in Berlin…

Nicht zu vergessen Kaminers kulturwütige 87-jährigeMutter und ihre vergeblichen Versuche, ihren Traum von einem Konzertbesuch mit der gesamten „kulturbanausigen“ Familie zu verwirklichen. Kaminer erzählt und liest im Wechsel, von gemeinsamen Ostseeurlauben mit Familie und Großmutter sowie seiner „Gartenkarriere“ und der Idee seines guten Freundes, 120 Tannen in seinem Garten zu pflanzen, um der drohenden Weihnachtsbaumknappheit in Deutschland entgegen zu treten…

Und zu guter Letzt wären da noch Kaminer und seine Frau: Die Kinder sind erwachsen, es ist Zeit, zu reisen, warum nicht erst einmal eine Kreuzfahrt, die gleichzeitig eine Menge Schreibstoff für neue Bücher verspricht. Eine Kreuzfahrt, die sich für den Schriftsteller letztlich als 14-tägige Lesereise entpuppt, denn anders als bei Lesungen auf dem Festland, gehen die Gäste im Anschluss nicht nach Hause, sondern haben sowohl zum Frühstück, Mittag, Abendessen als auch an der Bar (die wegen der Sonnenallergie seiner Frau zum Daueraufenthalt des Ehepaares wird) die Möglichkeit, Kaminer rund um die Uhr hautnah zu erleben und mit Fragen zu löchern.

In den Abend waren auch seine beiden aktuellen Büchern „Ausgerechnet Deutschland. Geschichten unserer neuen Nachbarn“ und „Die Kreuzfahrer“ eingebettet, in denen er sich mit „Menschen in Bewegung“ und auf Reisen auseinandersetzt; die einen reisen freiwillig, die anderen gezwungen. In beiden Büchern brilliert Kaminer mit seinem humorvoll verpackten, aber scharfen und kritischen Blick auf die Gesellschaft. So ging es um Eindrücke und die Beobachtung von Menschen, unterschiedliche Kulturen, über Partys mit Musik von Dschinghis Khan und Boney M., Tätowierungen aller Art auf dem Sonnendeck und vieles mehr, was sich bei persönlicher Lektüre zu erkunden lohnt. Mit Elan, Leidenschaft und großem Talent zur Improvisation begeisterte Kaminer das Publikum und zeigte sich auch außerhalb der Veranstaltung kommunikativ und offen. Noch bis zum dritten Gongschlag der Pause gab er Autogramme und signierte oder suchte das Gespräch mit den Gästen, bevor er freudig wieder auf die Bühne schritt.

Dennoch hat Kaminer von Kreuzfahrtschiffen nicht genug, bereits in Kürze steht die nächste Reise an.

Bücher aus der Lesung:
„Die Kreuzfahrer“, Hardcover, 224 S., 20 Euro, ISBN: 978-3-336-54798-2
„Ausgerechnet Deutschland“. Geschichten unserer neuen Nachbarn, Paperback, 240 S., 13 Euro, ISBN: 978-3-442-48701-1

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