Musikhaus am Bielstein

Am Sonnabend ist in Reinhausen die Konzertreihe „Weltklassik am Klavier“ gestartet, und zwar im Musikhaus am Bielstein (Waldstraße 30), in dem sich früher das 2011 geschlossene Reinhäuser Gasthaus Wienecke befand. Das Musikhaus wird von dem Musikerehepaar Bernhard und Eileke Wünsch betrieben: Er ist Pianist und Dirigent, sie Sopranistin. Im hinteren Bereich des Gebäudes befindet sich ein größerer Raum (früher wohl ein Saal für geschlossene Gesellschaften), der Platz für rund 50 Zuhörer bietet und in dem ein Steinway-Flügel steht. Einmal im Monat findet dort in Zusammenarbeit mit der Organisation „Weltklassik am Klavier“ ein Klavierabend statt, und zwar immer am ersten Sonnabend des Monats um 17 Uhr.

Zu Gast war am 5. Januar die aus Rumänien stammende Pianistin Luiza Borac mit einem anspruchsvollen Programm: zwei Stücke von Clara Schumann, deren 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, dazu die Kinderszenen op. 15 und die Symphonischen Etüden op. 13 von Robert Schumann und die 16 Walzer op. 39 von Johannes Brahms. Luiza Borac hat ihren pianistischen Schliff bei Karl-Heinz Kämmerling an der Musikhochschule in Hannover erhalten. 1995 war sie schon einmal in Göttingen zu hören, nämlich als Teilnehmerin beim 3. Internationalen Göttinger Chopin-Wettbewerb, in dem sie einen 2. Preis errang. Die Gegebenheiten in Reinhausen wollten allerdings noch nicht ganz zusammenpassen: Luiza Borac spielte mit einer Kraft, als wolle sie einen großen Konzertsaal füllen, dem Raum fehlt es obendrein ein wenig an textiler Dämpfung (beispielweise könnte ein Teppich unter dem Flügel die klangliche Härte mildern), und zum dritten hat der Flügel – seine Nummer lässt auf das Baujahr 1926 schließen – kleinere technische Unzulänglichkeiten (nachklingende Töne, bei denen offenbar die Dämpfer nicht hundertprozentig wirksam sind), die sich aber sicher künftig beheben lassen. So konnte die Pianistin ihre großen virtuosen Fähigkeiten nicht ganz ungetrübt präsentieren, hier und da hätte man sich beispielsweise auch über ein sanftes Pianissimo gefreut.

Das Konzept von „Weltklassik am Klavier“ – Näheres: https://weltklassik.de, dort auch unter dem Button „Termine“ eine Übersicht über die Konzerte in Reinhausen (unter dem Stichwort Göttingen) – ist spannend: Organisatorin Kathrin C. Haarstick aus Rysum in der Nähe von Emden, die aus der Werbebranche stammt, ist seit Jugendtagen der Klaviermusik zugeneigt. Zu Anfang hat sie Konzerte mit jungen Pianisten in der eigenen Scheune veranstaltet. Inzwischen kann auf die Erfahrung dreier Musikhochschulprofessoren bauen, die als Schirmherren maßgeblich an der Auswahl der Solistinnen und Solisten beteiligt sind. Es sind Bernd Goetzke und Lars Vogt von der Musikhochschule Hannover sowie Matti Raekallio von der Juilliard School in New York. „Weltklassik am Klavier“ ist heute an 42 Orten in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und auf Mallorca installiert, im Jahr werden rund 300 Konzerte veranstaltet – prinzipiell in einem ähnlich intimen Rahmen wie in Reinhausen.

Nächster Termin „Weltklassik am Klavier“ am Sonnabend, 2. Februar, um 17 Uhr im Musikhaus am Bielstein, Reinhausen, Waldstraße 30. Es spielt der in seiner Heimat sowie in Rom, Paris und Hannover ausgebildete koreanische Pianist Sunghoon Simon Hwang. Auf dem Programm stehen das erste Heft der Images (Reflets dans l’eau, Hommage à Rameau und Mouvement) und „L’isle jouyeuse“ von Claude Debussy, Joseph Haydns Sonate Nr. 31 E-Dur und die zwölf Etüden op. 10 von Frédéric Chopin.

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