Aula der Universität

Im Mai 2018 erhielt der Musiker Konstantin Wecker den Göttinger Friedenspreis. Als „Dankesrede“ verstand er deshalb seinen Auftritt jetzt in der restlos ausverkauften Göttinger Universitätsaula. Der Abend stand unter dem Motto frei nach Herman Hesse „Jeder Begegnung wohnt ein Zauber inne“. Begegnet sind sich an diesem Abend der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther und der Komponist, Musiker und Liedermacher Konstantin Wecker. Beide sind Überzeugungstäter: Weckers Lieder und Texte stehen schon seit vielen Jahren für deutliche pazifistische Botschaften, aber auch für starke poetische Gefühle.

Hüther ist bekannt für seine populärwissenschaftlichen Erklärungen. In seinem neuen Buch geht es um das Thema „Würde“, an diesem Abend sprach er vor allem über „Mut“: „Mut zeigt jemand, der etwas tut, das er eigentlich gar nicht tun will“, so beginnt Hüther seine Erläuterungen. Im Gegensatz zu Konstantin Wecker, der mit seinen Aussagen sehr deutlich ein Statement abgibt, bleibt Hüther etwas oberflächlich bei seinem gewählten Thema. „Es handelt sich hier um ein reines Männerphänomen“, erläutert er und erklärt, warum aus seiner Sicht Männer besser rückwärts einparken können.

Solche Klischees braucht Konstantin Wecker nicht. Er greift frühe Texte und Lieder auf und verbindet sie mit aktuellen Themen. Jedes Lied und jedes Gedicht kommt einem Statement gleich. Nach den ersten Liedern des Abends wie dem berühmten „Gespräch mit Willy“ meinte er: „Nachdem die politische Haltung deutlich gezeigt worden ist, kann ich nun ins Poetische übergehen.“ Es folgten wunderbare Klassiker wie „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“.

Die emotionalen Höhepunkte kamen nach der Pause: die Liebeserklärung an seinen Vater begann er mit der Erinnerung, wie er als Knabensopran gemeinsam mit seinem Opernsänger-Vater Liebesduette gesungen hat. Seine Mutter hatte davon eines aufgenommen, das Tondokument wurde dem Publikum nicht vorenthalten. Das hinreißende Duett der Violetta mit Alfredo aus Verdis „La Traviata“ war eine Sternstunde! Es blieb sentimental, als das Publikum Zeuge einer Premiere wurde: nach seinem Konzert in Köln erzählte ihm ein Konzertbesucher, dass er sich bei seinem Lied noch einmal völlig neu und unsterblich in seine Frau verliebt habe. Und ob er dieses Lied nicht auf seiner Geige begleiten könne. Gesagt, getan – in Göttingen war es so weit: Edzard Model reise von Köln an und begleitete Konstantin Wecker.

Wecker war längst zu Höchstform aufgelaufen und hatte sein Publikum fest im Griff. Seine Lust an der Poesie und an der Musik ist ansteckend. Und so entließ Wecker die Besucherinnen und Besucher erst nach zweieinhalb Stunden in die kalte Nacht. Die Wärme, die Wecker in den Herzen entfacht hat, müsste für den Heimweg gereicht haben. Und in dem Punkt hat Gerald Hüther recht: die Poesie ist das Zauberschwert von Konstantin Wecker, schrieb er ihm ins Vorwort seines letzten Gedichtbandes. „Die einzige Waffe, die ich akzeptiere“, meinte der Pazifist Wecker dazu in einem Interview.

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