Apex

Wüsste man es nicht, würde man kaum erwarten, dass jenes Etablissement in der Burgstraße im Herzen Göttingens, das Restaurant Apex, eben doch mehr als nur ein Restaurant ist. Steigt man die Treppen zu einem im Industriestil gestalteten, verglasten Raum hinauf, eröffnet sich dem Besucher ein versteckter Ort mit Bar und Bühne, der, wie die englische Definition des Namens Apex verrät, den höchsten Punkt der Räumlichkeiten markiert. Hier, thronend über jenen Menschen, die aus kulinarischen Gründen diese Adresse aufsuchen, wird eine andere Art von Kost geboten, die eher die kulturellen Gelüste des Theater-hungrigen Gasts stillen soll. Etwas für Aug und Ohr, Seele und Kopf oder die Lachmuskulatur. Auch an diesem Abend wird ein Menü serviert, das sich aus den genannten Komponenten zusammensetzen soll.

Mit Ich brauch‘ Tapetenwechsel – ein Hildegard Knef Abend entführen die beiden Bühnenkünstler Maja Müller-Bula und Andreas Düker den Zuschauer für etwa zwei Stunden auf eine nostalgische Reise. Dabei versetzen sie sich in die Rollen zweier Knef-Fans – Tamara Schmidt und James Tölke – , die sich, mit Plattenspieler und -koffer unter dem Arm, als Bühnenkünstler dem Leben von Hildegard Knef widmen.

Dabei scheint das Stück auf mehreren Ebenen funktionieren zu wollen. Zum einen sind da die beiden beschriebenen Charaktere, die über Anekdoten aus ihrem fiktiven Leben bestimmte Eckpunkte der knefschen Karriere abhandeln. So erzählt Tamara unter anderem von besuchten Autogrammstunden, über die eigene Oma, die als Knef-Double selbst auf der Bühne stand oder gibt ihr allumfassendes Wissen über die Sängerin zum Besten. Dadurch eröffnet sich eine zweite schauspielerische Ebene, die, neben den beiden Charakteren, bestimmte Merkmale der 2002 verstorbenen Chansonnette zu karikieren versucht. Gleichzeitig wird an manchen Stellen das Publikum in eher komödiantischer Weise mit einbezogen, z.B. beim Mitsingen einiger der vielen musikalischen Interpretationen, die weniger durch eine herausragende musikalische Leistung, als vielmehr über den atmosphärischen Transport der charakterlichen Eigenheiten der Protagonistin des Stücks wirken.

Was es am Ende genau transportieren soll, wird letztlich doch nicht so ganz klar. Einem Gesangsabend wird die Aufführung sicherlich nicht gerecht, will es aber anscheinend auch gar nicht sein, wenn die Kunstfigur Tamara Schmidt mit tiefem Berliner Akzent, von ihrem Compagnon James Tölke an der Gitarre begleitet, auf einer nostalgischen Wolke – mit Hut und Federboa – durch das bewegte Leben der Hildegard Knef schwebt.

So wie das Stück ein Sammelsurium an verschiedenen narrativen und dramaturgisch unterschiedlichen Elementen ist, referiert es letztlich mit seiner Struktur auf eben jene Hildegard-Knef-Schwärmer, die über die Jahre hinweg ihre eigenen Sammlungen von Erinnerungen und Erinnerungsstücken an die hier gewürdigte Schauspielerin und Sängerin angehäuft haben und sich hierüber in einem sentimentalen Moment an ihr eigenes Leben und die Menschen darin zurückerinnern.

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