GSO

2000 begeisterte Besucher in der Lokhalle

Wie er wohl werden würde, der Wechsel der GSO-Konzerte aus den vertrauten Räumlichkeiten der Stadthalle in die Lokhalle? Diese Frage hatten sich sicherlich im Vorfeld viele treue Besucher gestellt. Die Antwort gaben Nicholas Milton und das Göttinger Symphonieorchester gemeinsam mit dem Pianisten Joseph Moog in einem fulminanten Konzert unter dem Titel „Broadway“.

Der Abend begann heiter und frisch mit Leonard Bernsteins (1918-1990) hinreißend und schwungvoll gespielter Ouvertüre zu „Candide“, die von einem intensiven Fanfareneinsatz eingeleitet wurde und mit fröhlich gezupften Violinen in fließende Sequenzen der Streicher überging. Raffiniert und tänzelnd zeigten sich auch die Flöten. Es war ein gelungener Wechsel von kraftvollen und zarten Passagen. Nicht zu übersehen war eine besondere Präsenz von Freude, Elan und Harmonie im Zusammenwirken von Milton und dem GSO.

In diese Atmosphäre fügte sich auch der Pianist Joseph Moog mit dem Konzert für Klavier F-Dur von George Gershwin (1898-1937) perfekt ein. Das Werk ist geprägt von Jazz- und Blues-Elementen: flott, frisch und verspielt, stellenweise aber auch verträumt und voller Sehnsucht. Joseph Moog zeigte sich in seiner Art des Spielens virtuos in den schnellen Tempi und im harmonischen Zusammenspiel mit den Streichern begleitet von einem Hauch Melancholie. Während das abwechslungsreiche Allegro, das von einem tosenden Paukenschlag eröffnet wurde, von mächtigen voluminösen Orchesterpassagen geprägt war, erklang das Adagio – Andante con moto wesentlich ruhiger, mit Blues-Feeling. Auch hier brillierte Moog mit seiner meisterhaften Leistung. Lediglich in den gemeinsamen Passagen mit dem gesamten Orchester ging sein Spiel etwas unter, was jedoch durch die Regelung der Verstärkeranlage in der großen Halle bedingt zu sein schien. Sehr gelungen waren in diesem Satz die kurzen berührenden Soloeinsätze von Natalia Scholz (Konzertmeisterin). Mit seiner Zugabe, einer eigenen Transkription von George Gershwins „’S wonderful“, zeigte er dem begeisterten Publikum erneut sein Können.

Nach diesem ersten stimmungsgeladenen Abschnitt des Abends folgte noch eine Steigerung mit Leonard Bernsteins Symphonische Tänze aus „West Side Story“. Diesem Werk wohnen zahlreiche verschiedene Musikelemente und eine unglaubliche Vielfalt an Klangnuancen inne, was von Milton und dem GSO fulminant herausgespielt wurde. Ein facettenreiches wie anspruchsvolles Stück, in dem vor allem das Schlagwerk in verschiedenen Rhythmen präsent ist und an diesem Abend durch die große Motivation der Musiker hervorragend zum Ausdruck kam. Das „Maria“-Thema erklang im hauchzarten, sehnsuchtsvollen Spiel der Violinen sowie dem Horn und erlangte durch den Einsatz der Harfe besonders zarte Nuancen. Besonders mitreißend wurde es bei „Mambo“, wo das Göttinger Symphonieorchester auch stimmlich vollen Einsatz zeigte. Chefdirigent Nicholas Milton war absolut in seinem Element. Mit seiner mitreißenden und humorvollen Art begeisterte er sowohl das Publikum als auch das Orchester, was sich im durch und durch meisterhaften und feurigen Spiel aller Musiker zeigte.

Für den langanhaltendem Applaus und die Bravorufe eines höchst begeisterten Publikums bedankten sich Milton und die Musiker mit drei Zugaben: einem Gershwin-Medley, dem Titel „Tico-Tico“ des brasilianischen Komponisten Zequinha de Abreu (1880-1935) und dem Bernstein-Mambo. Es gelang ihnen, den Abend in einem packenden Erlebnis mit lateinamerikanischen Rhythmen gipfeln zu lassen. Es war eine ausgelassene, temperamentvolle Stimmung, in der Milton während eines einleitenden Schlagzeug-Solos zum Mambo noch mit einer überzeugenden Tanzeinlage überraschte. Milton und das GSO rissen das sonst eher zurückhaltende Göttinger Publikum zu doppelten Standing Ovations von den Sitzen, bewegten es zu begeistertem Mitklatschen und „Mambo“-Rufen.

Es war ein grandioser Abend, der den vorläufigen Abschied von der Stadthalle und die Eingewöhnung in die neuen Räumlichkeiten der Lokhalle doch wesentlich erleichterte, wenngleich die akustischen Einstellungen in der Halle sicherlich noch der Optimierung bedürfen.

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