GSO

Konzert mit dem Dirigenten Mariusz Smolij aus Thorn und dem Violinisten Albrecht Menzel

Es war ein romantischer Höhepunkt der Städtepartnerschaft zwischen Göttingen und der polnischen Stadt Thorn. 1978 begann diese Freundschaft zwischen West und Ost trotz der Grenzen. Ein wesentlicher Bestandteil war der kulturelle Austausch, der auch nach 40 Jahren ungebrochen anhält. So leitete der Chefdirigent des Thorner Symphonieorchesters, Mariusz Smolij, das Konzert des Göttinger Symphonie Orchesters (GSO) in der Aula. Am Programm standen drei romantisch angehauchte Stücke.

Eröffnet wurde der Abend mit der Ouvertüre zur Oper „Euryanthe“ von Carl Maria von Weber. An den sehr belebenen Beginn schloss sich ein mystisches Largo, getragen von acht Soloviolinen. Das hymnische Ende ließ, ganz im Stil einer Ouvertüre, die Erwartung auf das Nächste erwachen.

Das Nächste – oder vielmehr – der Nächste war der Violinist Albrecht Menzel. Drei Gründe machten ihn zum idealen Solisten für das Violinkonzert von Schumann an diesem Abend. Erstens, er gewann 2016 den internationalen Violinwettbewerb in Thorn. Zweitens, genauso wie der Violinist Joseph Joachim, für den Schumann das Stück schrieb, hat er Ruhm schon in jungem Alter erlangt. Drittens, Albrecht Menzel ist ein verdammt guter Geiger. Kleiner Bonus: er spielte auf einer unersetzbaren Stradivari.

Das Stück ist so angelegt, dass im ersten Satz Orchester und Violine weitgehend getrennt operieren. Dadurch richtete sich der Fokus sehr stark auf die virtuos geführte Solostimme. Albrecht Menzel präsentierte eine übermenschliche Präzision bei den vielen virtuosen Sequenzen und Figuren. Doch die Musik verlor sich nie in Brillanz, sondern erhielt die fantasievollen, mitreißenden Melodielinien. Im zweiten Satz breiteten die Streicher einen langbogigen Klangteppich aus, auf dem die Sologeige wie eine magische Stimme schwebte. Im lebhaften, dritten Satz offenbarte Menzel seinen jugendlichen Elan. Hier merkte man besonders, dass dieser Mann einfach richtig Freude an diesem Stück hat. Als Zugabe spielte er die Transkription des Erlkönigs für Violine von Heinrich Wilhelm Ernst. Schwierigkeit 11 auf der Skala 1-10. Da klappte dem ein oder anderen der Kiefer hinunter. Der Applaus war lange.

Nach der Pause gab es als dritten Programmpunkt den Liebling der Menge: 40. Symphonie von Mozart in G-Moll. Man braucht nur „Mozart 40“ zu flüstern und jeder hat sofort das bekannt Eröffnungsmotiv im Ohr. Mariusz Smolij arbeitete mit dem GSO den verzweifelten, schwermütigen Charakter dieses phänomenalen Werks gut heraus. Der zweite Satz wirkte allerdings etwas mechanisch, und die Angebote der Musik für Spannung und Überraschung gingen ungenützt vorüber. Doch im dritten und vierten Satz überzeugt das Orchester mit sehr guter Akzentuierung und präziser Phrasierung. Besonders das Menuett hatte mit seinem wiegenden, tänzerischen Charakter eine sehr leichtfüßige und doch würdevolle Magie. Besonders zu erwähnen sind die Holzbläser, die mit einer gewissen Dominanz im Orchester wesentlich die dramatische Klangfülle trugen. Diese Symphonie nahm einen vom ersten bis zum letzten Ton vollkommen ein. Erst der Applaus holte einen wieder aus Sphäre dieser einzigartigen Musik zurück. Der Applaus war lange genug, um sich wieder völlig im Diesseits einzufinden.

 

Kommentare powered by CComment

Figurentheatertage

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok