JSO meets GSO

Von wegen „kleine Ouvertüre“. Es ist ein musikalisches Feuerwerk, das junge und erfahrene Musiker hier mit der Komposition von Wojciech Kilar in der Aula der Freien Waldorfschule entfachen. So einen Überraschungscoup hatten die Zuhörer vermutlich nicht erwartet, die auf die musikalische Begegnung des Göttinger Symphonie Orchesters mit dem Jugend-Sinfonie-Orchester gespannt waren. Dass sich die gemeinsame Klangreise unter dem Motto „JSO meets GSO“ zu einem so temporeich vielfarbigen Abenteuer entwickeln würde, wo die Kontrabässe, die mit den Holz- und den Blechbläsern um die Wette pulsieren und sich mit den Streichern immer wieder zu herrlich luftigen Wirbeln verführen ließen.

Das gemeinsame musikalische Abenteuer war lange geplant und das auch mit Blick auf das 40jährige Partnerschaftsjubiläum zwischen Göttingen und Toruń. Auch wenn das Konzert erst jetzt zum Finale der Jubiläumssaison disponiert werden konnte, war das Timing perfekt: denn mit diesem Nachklang auf die gefeierte Städtefreundschaft war auch eine musikalische Widmung verbunden. Aufgeführt wurden ausschließlich Werke polnischer Komponisten, die das Konzert auch zu einer faszinierenden Entdeckungsreise werden ließen.

Von einer tollen, intensiven Probenwoche schwärmt GSO-Chefdirigent Nicholas Milton nach dem furiosen Auftakt mit Wojciech Kilars „kleinen Ouvertüre“ und von einer tollen Zusammenarbeit mit den Jugendlichen, die ein anspruchsvolles Programm meisterten. Bei den Eltern der Nachwuchsmusiker bedankt sich Milton mit den Worten „Danke für ihre Kinder“ und dass die Probenwoche ihn und seine Orchestermusiker ein bisschen jünger gemacht habe, um mit seinem verjüngten Orchester und drei Tänzen von Henryk Mikołaj Górecki gleich das nächste musikalisches Feuerwerk zu entzünden.

Góreckis hoch expressive Klangwelt birgt eine Fülle dramatischer Miniaturen, die in ihren harmonischen und rhythmischen Spannungsverhältnissen mitunter berauschende Wirkung erzeugen, um dann in den poetischen Orchesterfarben einen wunderbar filigranen Schimmer zu entfalten. Auch in Grażyna Bacewicz‘ Allegro aus ihrem Konzert für Streichorchester erinnern die blitzartig anklingenden Motive, wie sie sich aneinander reiben und dynamisch zuspitzen, immer wieder an Minimal Music und ihre Klangmuster, wo bereits aus wenigen Tonfiguren ein gewaltiges Spannungsfeld entsteht.

Von spannenden Entdeckungen berichtet auch der Leiter des Jugend-Sinfonie-Orchesters Daniel Eismann und wie die jungen Musiker in Begegnung mit Komponisten der polnischen Avantgarde Neuland erkundeten und dabei ihren musikalischen Horizont erweiterten. Da das JSO vor allem mit dem romantischen Orchesterwerken vertraut ist, machte Eisermann mit seinem Nachwuchsensemble einen Abstecher in die Romantik. Bezaubernd warm leuchten die Streicher in der Orchesterfassung von Frédéric Chopins Mazurka im Dialog mit den dunklen Farben der Celli wie in einem Klanggemälde aus Pastelltönen. Für Chopins Es-Dur Nocturne heißt es dann wieder „JSO meets GSO“ und auch für eine weitere Entdeckung mit dem polnischen Klangmaler. Zygmunt Noskowski, der mit seiner symphonischen „Die Steppe“ eine Fülle faszinierender Reisebilder schuf. Da durchstreift die Piccoloflöte mit den Streichern und der Harfe die Weite der Landschaft, um bald schon den Hörnern und den Klarinetten davon zu berichten, die sich nun ebenso wie die Trompeten, die Oboen, Fagott und Posaune auf Motivsuche zu begeben. Auch sie erzählen von wilden Gegenden und ihren Naturstimmen, von kriegerischen Begegnungen und von Herden und ihren Hirten, die die Steppe durchkreuzen.

Nach diesem musikalischen Schauspiel, das in ein hoch dramatisches Finale mit festlichem Glanz und Pathos mündet, beschwingt Stanisław Moniuszkos Mazurka aus der Oper Halka. Auch mit diesem Tanz der Instrumente im Stil einer farbenfrohen Humoreske begeistert das Orchesterbündnis sein Publikum.

Für möglichst enthusiastischen Beifall verspricht Nicholas Milton auch eine Zugabe und entzündet mit den Musikern bei Góreckis Tanz in presto marcatissimo noch einmal ein musikalisches Feuerwerk. Das funkelt prächtig.

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