Petrichor Weende

Die große Orgel der Kathedrale in Saint Pierre in Göttingen-Weende erklang zu Werken von César Franck, Gabriel Fauré und Camille Saint-Saëns, gespielt vom Titularorganisten Hans-Dieter Meyer-Moortgat. Es war beeindruckend, wie lange der Hall nachklang. Auf dem Programm stand französische Musik der Romantik, überwiegend komponiert für Gesangstimmen, ergänzt von symphonischer Orgelmusik. Im Mittelpunkt stand von Gabriel Fauré das Requiem op. 48 für Sopran, Bariton, Chor und Orgel.

Das Problem an der Sache war: die Petrikirche in Weende ist weder eine Kathedrale noch hat sie ihre Größe, geschweige denn hat sie eine große Orgel. Was also tun, wenn man solche Werke aufführen möchte? Der Leiter des Petrichores Martin Kohlmann hat sich für einen Kunstgriff entschieden: statt der vorhandenen Ott-Kirchenorgel brachte der Titularorganist von der Stiftskirche in Bad Gandersheim Meyer-Moortgat seine eigene, digitale Orgel mit. Mithilfe einer Software wurden die Klänge der verschiedenen Register künstlich erzeugt, die Töne kamen aus großen Lautsprecherboxen. Auch wenn die Klangfülle tatsächlich beindruckend war: erstens handelte es sich hörbar um künstliche Klänge, was den Hörgenuss erheblich schmälerte. Und zweitens passen solche Klänge einfach nicht in die Petrikirche in Weende. Und sie passten auch nicht zum Chorklang, der natürlich keinen künstlichen Nachhall hatte.

Dafür hatte der bestens vorbereitete Petrichor Weende aber eine enorme dynamische Ausdruckskraft. Schon im Eröffnungsstück, dem 150. Psalm für Chor und Orgel von César Franck, zeigten die Sängerinnen und Sänger, dass sie sich voll und ganz auf diese Art der französischen Romantik eingelassen haben. Große Emotionen und differenzierte Dynamik, dazu eine stetige Aufmerksamkeit und schnelle Reaktion auf das Dirigat von Kohlmann führten zu einer beeindruckenden Wirkung. Da fielen die leichten Intonationsschwierigkeiten in den Tenören und Sopranen kaum ins Gewicht.

Die ausgewählten Orgelwerke waren zum Teil für Chor, aber auch für Solisten komponiert: eingeladen waren Bogna Bernagiewicz und Johannes Schwarz, die beide ihre Aufgaben beherzt angingen und gut meisterten. Während die Stimme von Johannes Schwarz zeitweilig etwas eng in der Stimmführung schien, konnte vor allem Bogna Bernagiewicz mit ihrem feinen Sopran glänzen, ihr Pie Jesu im Requiem war entrückend schön. Hin und wieder konnte sie auch andeuten, was für eine Kraft ihre Stimme auch entwickeln kann.

Hans-Dieter Meyer-Moortgart bewies seine Virtuosität an der Orgel solistisch mit Danse macabre von Charles Camille Saint-Saëns. Aber auch hier hörte man, dass die Töne künstlich erzeugt wurden. Und der eingestellte Nachhall in der eher gedrungenen Petrikirche in Weende passte einfach nicht. Erst recht nicht, wenn er Musik mit Gesang erklingt. Das Experiment mit einer solchen Orgel in dieser Kirche darf im Ergebnis zumindest als etwas unglücklich bezeichnet werden.

Das Publikum in der sehr gut besuchten Petrikirche waren von dem Konzert, das bereits am Vorabend in der Klosterkirche Nikolausberg erklang, restlos begeistert und bedachten die Aufführenden nach am Totensonntag angemessenen Sekunden des Schweigens nach dem Verklingen der letzten Töne des Requiems mit großem Beifall und Ovationen.

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