Deutsches Theater

Ein bisschen eng mag es auf Lummerland ja sein. Aber das ist für die Inselbewohner kein Problem. Dann rutscht König Alfons der Viertel vor Zwölfte (Gerd Zinck) einfach von seinem Schlossturm über ein Dach direkt vor das Schaufenster von Frau Waas (Katharina Müller), wenn es um wichtige Regierungsangelegenheiten geht. Wer die königliche Majestät zu sprechen wünscht, kann ja auch bei Herrn Ärmel (Daniel Mühe) klingeln, der ebenfalls am verwinkelten Schlosshang residiert. Er hat es dann nicht weit zu Emmas formidabler Garage, wo Lokführer Lukas (Florian Eppinger) sich um die munter dampfende Reisegefährtin kümmert und ganz besonders um seinen Freund Jim Knopf (Marchal Impinga Rugano), den neuen Inselbewohner.

Schon mit der aufmunternden Inselwelt, die Bühnenbildner Michael Böhler für Michael Endes Kinderbuchklassiker „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ entworfen hat, kündigt sich ein faszinierendes Theaterabenteuer an. Später geht es dann eher rätselhaft zu und auch ein bisschen gefährlich, aber fast immer in dieser aufgeschlossen freundschaftlichen Atmosphäre, auf die Katharina Ramsers Inszenierung immer wieder einstimmt. Die Freundschaft von Lukas und Jim muss einiges aushalten, nachdem König Alfons verkündet, dass Emma ausgemustert werden soll, damit auf der Insel noch genug Platz für Jim Knopf bleibt. Es geht auf große Fahrt übers Meer in eine faszinierend fremde Welt mit vielen Mutproben, wo vor allem das gemeinsame Vertrauen bestärkt, das Florian Eppinger und Marchal Impinga Rugano im Zusammenspiel entwickeln. Die Rolle des Jim Knopf wurde mit dem jungen Schauspieler aus Burundi besetzt, der erst seit einem Jahr in Deutschland lebt und wie seine Figur mit einer neuen Umgebung vertraut machen musste. Auch diesen Aspekt spricht Ramsers Inszenierung an; dass hier ein erfahrener Schauspieler seinem jungen Kollegen besonders zur Seite steht und wie im Stück auch Alter und Erfahrung keine Rolle spielen, ob jetzt Lukas eine gute Idee hat, sich in den abenteuerlichen Begegnungen offen zu verständigen oder Jim, weil sich beide aufeinander verlassen können.

Beim Kaiser von China (Ronny Thalmeyer) und seinen feisten Palastwachen, wo ihnen mit Ping Pong (Gitte Reppin) auch eine ganz besonders couragierte Gestalt zur Seite steht, erfahren die beiden Abenteurer vom Schicksal der entführten Kaisertochter Li Si, die in der Drachenstadt von Frau Mahlzahn gefangen gehalten wird. Die wollen sie natürlich unbedingt befreien, auch wenn sich die Bühne mit weißen Stoffbahnen jetzt in eine endlos weite Wüste verwandelt, wo bereits zwei Geier lauern. Scheinriese TurTur ist Lukas und Jim umso lieber behilflich, weil sie nicht wie Andere ihm weglaufen, selbst wenn er aus der Ferne so kolossal anmutet, als ob er bis an das Bühnendach reicht.

Kein bisschen zum Fürchten ist auch die Begegnung mit dem Halbdrachen Nepomuk, der ein bisschen Glut für seinen erloschenen Vulkan spendiert bekommt. Gut gepolstert und getarnt mit viel grünem Plüsch tanzt Ronny Thalmeyer über die Bühne und wird für die kleinen Zuschauer zum kuscheligen Freund, den sie vermutlich gern in ihr Kinderzimmer mitnehmen würden. Wenn es dann aus den gelben Augenschlitzen von Frau Mahlzahn so bedrohlich funkelt, während drei Schauspieler die dunkle Drachengestalt über die Bühne schlängeln lassen, wird es für den Moment schon ein bisschen gruselig. Aber auch hier erfahren die Fans von Jim und Lukas, dass der böse Schein mal wieder trügt.

Das Rätsel um Jims Herkunft, warum er als Päckchen verschnürt nach Lummerland kam, wird dabei zwar nicht gelöst. Dafür erwartet die Inselbewohner neben der Rückkehr der Helden und seinen chinesischen Freunden eine weitere Überraschung. Im Schlepptau haben sie ein Stück Kunstrasen, auf dem bereits eine winzig kleine Tanne grünt. Sie freuen sich mit König Alfons dem Viertel vor Zwölfen, dass es jetzt nicht nur genug Platz für alle Untertanen gibt sondern auch für eine kleine Emma, die mindestens so schön dampft wie die Große. Herr Ärmel macht auch noch einen schönen Schnappschuss, damit sich alle an das fröhliche Finale dieses Abenteuers erinnern und an ein wunderbar fantasiereiches Theatererlebnis. Wer hätte das gedacht, dass man mit einem königlich goldenen Kopfhörer Apfelsinen angeln kann, dass Lokomotiven auch ganz sanft über das Meer gleiten und Vulkanbewohner eigentlich ganz kuschelige Zeitgenossen sind. Mit Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer gibt es so viel zu entdecken, dass sich mancher Zuschauer mit ihnen bestimmt gern ein weiteres Mal auf eine freundschaftliche Abenteuereise begibt.

Weitere Vorstellungen am 25.22., 2.12., 9.12., 16.12., 23.12., 26.12. und am 13.1.2019. Eintrittskarten gibt es hier online im Ticketshop des Kulturbüros sowie an der Theaterkasse des DT.

Kommentare powered by CComment

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Lieber Gast,
vielen Dank für Ihr Interesse an den Seiten des Kulturbüro Göttingen. Die Erstellung von Terminen und Texten kostet Geld - denn es sind Menschen, die diese Termine erfassen oder die Texte schreiben. Deshalb bitten wir Sie, entweder ein Abonnement abzuschließen oder für diesen einzelnen Beitrag einen Betrag zu bezahlen.
Vielen Dank!
Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok