Literaturherbst

Wissenschaftsreihe

Von den Maschinenmenschen des Gottes Hephaistos über technischen Spielereien auf dem Raumschiff Enterprise bis hin zu den Herausforderungen und aktuellen Nutzung von Algorithmen und die Anforderungen an den Umgang mit neuen Technologien – so weit schlug Manuela Lenzen den Bogen in ihrem Vortrag im Rahmen des Wissenschaftsprogramms des Göttinger Literaturherbstes. In der vollbesetzten Paulinerkirche stellte sie ihr Buch „Künstliche Intelligenz – was sie kann & was uns erwartet“ vor.

Die Vorläufer der heute verwendeten Ansätze streifte sie kurz, um dann mit Alan Turing und dem nach ihm benannten Turing-Test vertieft in das Thema des Abends einzusteigen. Turing beeinflusste die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz maßgeblich, indem er als Maßstab die Vorgabe machte, dass beim Dialog die Antworten eines Computers von unbefangenen Menschen nicht mehr von einem Gespräch mit einem realen Menschen unterschieden werden können. Halten nach fünf Minuten Gespräch mehr als 30 Prozent der Tester den Computer für einen Menschen, gilt der Test als bestanden. Das gelingt selbst heute noch nicht perfekt, sondern nur mit kleinen Tricks. Die besten Ergebnisse erzielte daher bislang ein Programm, das vorgab, ein 13-jähriger Junge aus der Ukraine zu sein, der nur schlecht Englisch spreche.

Die heutige Kommunikationsfähigkeit von Programmen lässt sich mit den digitalen Assistenten im Smartphone leicht testen. Für Fragen, die über reine Wissensabfragen wie „Wie ist das Wetter in Göttingen“ hinausgehen und die tieferes Verständnis erfordern, werden die Antworten sprach- und kultursensibel von Menschen fest vorgegeben. Die menschliche Unterstützung ist auch bei vielen Prozessen des maschinellen Lernens nötig: die Auswahl der geeigneten Lerndatensätze und der zur Fragestellung passenden Algorithmen ermöglichen herausragende Ergebnisse. Hier streifte Lenzen kurz die Grundlagen der Neuronalen Netze und des Deep Learnings, die insbesondere bei der Mustererkennung führend sind. Das System lernt selbst, was die bestimmenden Parameter und Muster sind, um Unterscheidungen zu treffen. Aber es kann nur das lernen, was auch im Lerndatensatz enthalten ist. Als Beispiele brachte Lenzen die Unterscheidung verschiedener Vögel. Wenn allerdings flugunfähige Vögel nicht im Lerndatensatz enthalten sind, werden Strauße und Pinguine nicht richtig zugeordnet. Auch erwähnte sie das Programm, das Pferdebilder erkennen lernte und dieses mit hoher Präzision tat. Als aber näher analysiert wurde, was die gewählten Entscheidungskriterien waren, kam man auf die Metadaten der Bilder, die das Programm auswertete: Wo Ponyhof draufsteht, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Pferd enthalten.

Für spezielle, klar definierte Anwendungen mit festen Regeln wie Schachspielen oder inzwischen auch das komplexere Go-Spiel sind Algorithmen allerdings inzwischen dem Menschen überlegen. Dennoch können diese Algorithmen nichts anderes als genau diese Aufgabe erledigen. Und hier stieg Lenzen auch in den weiteren Fragenkreis ein: Welchen Einfluss haben Künstliche Intelligenz und smarte Systeme auf unser Leben und welchen werden sie in Zukunft haben? Was geschieht mit den gesammelten individuellen (Nutzer-)Daten und den gelernten Zusammenhängen?

Die anschließende Fragerunde, die von Patrick Cramer vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie eingeleitet und moderiert wurde, brachte weitere Aspekte wie den aktuellen Stand der militärischen Nutzung von Künstlicher Intelligenz zur Sprache, die von Lenzen souverän kommentiert und erläutert wurden. Das Publikum bedankte sich mit langem Applaus und wurde mit vielfältigem Diskussionsstoff versehen in den Abend entlassen.

Kommentare powered by CComment

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Lieber Gast,
vielen Dank für Ihr Interesse an den Seiten des Kulturbüro Göttingen. Die Erstellung von Terminen und Texten kostet Geld - denn es sind Menschen, die diese Termine erfassen oder die Texte schreiben. Deshalb bitten wir Sie, entweder ein Abonnement abzuschließen oder für diesen einzelnen Beitrag einen Betrag zu bezahlen.
Vielen Dank!

Figurentheatertage

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok