Saitenwechsel

Die Klangwelt der Viola da Spalla

In Johann Gottfried Walthers „musicalischem Exicon“ von 1732 heißt es über die Viola da Spalla, sie habe einen „großen Effect beim Accompagnement“ und dass man mit dieser Schulter-Viole „allerhand geschwinde Sachen, Variationes und Manieren“ machen könne.

Begriffe wie Accompagement und Manieren mögen sich heutzutage anders lesen als zu Zeiten von Bach und Vivaldi. Doch schon in Vivaldis Largo lässt Volker Mühlmann etwas ganz Besonderes anklingen, was dieses Instrument vermag, das oft auch als kleine Bass-Geige bezeichnet wird. Im Dialog mit Andreas Düker an der Erzlaute wird die Viola da Spalla zum mehrstimmigen Dialogpartner. Fast als ob sie einem anderen Instrument die Melodiestimme  überlassen möchte, um sich ganz den begleitenden harmonischen Akzenten und Variationen zu widmen, die das Thema umspielen. Schon im Allegro der e-Moll Sonate behauptet sie mühelos ein kleines Streicherensemble, das die Violine und die Viola mit dem Violoncello auf ihren fünf Saiten zu einem klangreichen „Accompagnement“ vereint.

Bei Johann Sebastian Bach gehörte die Viola da Spalla noch zum guten Ton, bevor sie später vor allem vom Cello abgelöst wurde. Und so widmet sich Mühlberg in Auszügen auch seiner D-Dur Suite für die „Viola di basso“, die zum Zyklus von Bachs Cellosuiten zählt und zu den schönsten musikalischen Herausforderungen. Im Prelude erinnert der warme singende Streicherton noch an den vertrauten Klang eines Cello doch mehr und mehr dringt der mehrstimmige Charakter der kleinen Bass-Geige durch, die in der Sarabande und mehr noch in der Gigue die begleitenden Akkorde mitschwingen lässt.

In Vivaldis Trio Sonata C-Dur vereinen Andreas Düker und Volker Mühlberg die drei Instrumentalstimmen zu einem heiteren Klangpanorama von tänzerischer Anmut, wo die Viola da Spalla die grazilen Figuren der Erzlaute zunächst sanft beschwingt und dann mit ihr vergnüglich um die Wette zupft und mit Vivaldis hauchzartem Klanggewebe Funken sprüht.

Auch Bachs fünfte Cellosuite wird im Parthenonsaal zu einer Entdeckung, wenn Düker mit seiner Erzlaute diesen faszinierenden musikalischen Kosmos durchstreift. Er lässt die Zuhörer in ein Klanggemälde von Pastellfarben hinein lauschen, das in seinen klar konturierten Motiven und Variationen so viel Schönheit offenbart, die einfach verzaubert.

Mit zwei Chorälen aus Bach Kantaten bringen die beiden Musiker das Ideal eines musikalischen Dialoges ganz besonders  zum Ausdruck. Dass es dabei vor allem um das wechselseitige Accompagnieren geht, damit ein Thema seinen klanglichen Freiraum entfaltet. Dem Choral, der stets so viele Stimmen harmonisch vereint, widmen sich die beiden Musiker gemeinsam mit Flötistin Elke Hardegen-Düker. Doch selbst wenn die Blockflöte jetzt die Arie der Gesangssolistin übernimmt, schöpfen alle drei Instrumente aus einem gemeinsamen Klangfeld, das sie miteinander durchstreifen.

Zum Finale dieses Nachmittages der musikalischen Saitensprünge im Parthenonsaal des archäologischen Institutes erklingt noch einem Vivaldi. Wieder fasziniert die dialogische Strahlkraft der Viola da Spalla in der Begegnung mit der ausschwärmenden Erzlaute, als ob jetzt ein kleines  Streichorchester die B-Dur Sonate zum Klingen bringt.

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