Nikolausberger Musiktage

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Das Berliner Vokalensemble consortium vocale hat seinen musikalischen Schwerpunkt in der Alten Musik und in der Moderne. Diesem Anspruch wurden das Ensemble und sein Leiter Antonius Adamske bei der Programmauswahl für die Nikolausberger Musiktage 2018 mehr als gerecht.

Musik des italienischen Renaissancekomponisten Orlando di Lasso wurde ein Motetten-Zyklus des französischen Komponisten Jean-Yves Daniel-Lesur (1908-2002) gegenübergestellt. Die besondere Leistung des Chores und ihres Chorleiters besteht in diesem Überraschungseffekt: so modern kann Alte Musik klingen! So begeisternd und emotional kann Neue Musik wirken!

Das spürte auch das Publikum in der nahezu ausverkauften Klosterkirche in Nikolausberg. Am Ende wollten sie die etwas zwanzig Sängerinnen und Sänger gar nicht gehen lassen. Diese Begeisterung hat natürlich Gründe.

Adamske interpretierte die Motetten di Lassos hoch emotional und intensiv. Das passte sowohl zu den Texten aus dem Hohelied Salomos als auch zu dem liturgischen Texten „Domine, quando veneris“ („Herr, wenn du kommst, die Erde zu richten“). Die Choristen folgten dieser Interpretation auch in den kleinsten Nuancen. So entwickelten sich die Töne und Linien, diese Musik aus dem 16. Jahrhundert wirkte unglaublich nah und direkt.

Jean-Yves Daniel-Lesur war unter anderem Professor an der Schola Cantorum in Basel, eine Ausbildungsstätte für Spezialisten der Alten Musik, an der auch Adamske studiert hat. Die tiefe Kenntnis der Ursprünge der Musik ist eine wichtige Grundlage für die Sammlung der sieben Vertonungen des Hohelied Salomos von Daniel-Lesur. Und deshalb war diese Neue Musik gar nicht so weit entfernt von der Alten Musik. Ja, es gab Dissonanzen, Cluster und ungewöhnliche, neue Effekte und Akkord-Verrückungen. Aber auch dank Adamskes Dirigat war diese Musik genauso emotional. Bei diesen häufig erotischen Texten muss das sicher auch sein. Es war aber ausgesprochen faszinierend zu hören und zu spüren, mit welchen Klangbildern Daniel-Lesur gearbeitet hat; wie zum Beispiel die Tauben turtelten, wie die Angst im Albtraum zum Greifen nahe ist, wie der Brautschleier angehoben oder wie zur Hochzeit geläutet wird.

Solche Effekte können nur gelingen, wenn man einen Chor wie das consortium vocale zur Verfügung hat. Mit absoluter Selbstverständlichkeit wurden die technisch und musikalisch schwierigsten Hürden genommen. Diese Perfektion erlaubte es den Sängerinnen und Sänger, zu jeder Zeit auf die Feinheiten des Dirigats zu reagieren. So leidenschaftlich emotional, wie Adamske diese Musik dirigierte, so klang sie auch.

Als „Bonbon“ gab es am Ende noch eine Komposition zu hören, die extra für dieses Konzertprogramm vom Chormitglied Philip Lawton komponiert worden ist: „The Time of Singing.“ Auch er schonte seine Kolleginnen und Kollegen nicht und stellte hohe Anforderungen. Ein solch professionelles Ensemble schreckt aber davor nicht zurück – und hatte auch noch beim Singen Zeit, ein Lächeln über dieses vergnügliche Stück zu zaubern.

Das Lächeln hielt auch noch bei der Zugabe an: das Hochzeitslied Daniel-Lesurs wurde noch einmal gesungen. Das Alleluja erfüllte die Klosterkirche bis in den letzten Winkel.

Das Lächeln wirkte ansteckend. Lächelnd verließen die Zuhörerinnen und Zuhörer die Kirche in den Spätsommerabend in Nikolausberg.

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