GSO

Zum Auftakt der neuen Spielzeit präsentierten das Göttinger Symphonieorchester unter der Leitung von Dirigent Ekhart Wycik, der bereits vor vier Jahren in Göttingen gastierte, und Solopianist Lukáš Vondráček einen gelungenen Konzertabend. Ein hervorragend aufeinander abgestimmtes Programm unter dem Titel „Russische Seele“.

Den Anfang machten zwei Komponisten, denen in der Herausbildung der nationalen russischen Musik eine bedeutende Rolle zukommt. Einen festlichen Beginn präsentierten die Musiker des Göttinger Symphonieorchesters mit Nikolai Rimski-Korsakows (1844-1908) Ouvertüre zur Oper Die Zarenbraut, wunderbar leicht gespielt, mit heiteren Sequenzen der Streicher, durchzogen von den bezaubernden Klängen der Flöten, aber gleichzeitig kraftvollen Nuancen. Immer wieder wurde das klangfrohe Thema mit wachsender Dynamik aufgegriffen, abgelöst von plötzlicher Sanftheit der Flöte, gefolgt von Klarinette und den Geigen, schließlich gipfelnd in einem gemeinsamen Finale.

Leichtigkeit prägte auch die Ouvertüre über drei russische Themen, die Mili Balakirew (1837-1919) anlässlich der Enthüllung eines Denkmals zur Tausendjahrfeier Russlands komponierte. Es folgte ein idyllischer Beginn mit Streichern und Horn, erkennbar waren erneut heitere Elemente mit dem Pizzicato der Streicher als sanfte Untermalung, überleitend zu einem Höhepunkt mit Pauke sowie dem vollem Klang der Streicher, und aufgelockert mit einem kleinen musikalischen Duell von Fagott und Klarinette. Wycik dirigierte das Finale bis zum allerletzten Klang genussvoll.

Als Kernstück des Abends folgte Sergej Prokofjews Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3, in dem Lukáš Vondráček anstelle des erkrankten Alexander Krichel den Solopart spielte. Er faszinierte mit Präzision, starkem Ausdruck und Intensität seines Spiels. Nach einer sanften Klarinettenmelodie folgten im Allegro eindringliche, stark pointierte Klavierpassagen und wechselten sich mit rasant dahin gleitenden Sequenzen ab. Ein durch und durch dynamisches Werk, tosend und stürmisch, durchschimmernd jedoch immer wieder auch Elemente der russischen Volkslieder sowie träumerische Nuancen. Im Tema con Variazioni wurde die Stimmung schließlich ruhiger, dann aber erneut kraftvoll mit starken Akzenten des Piano und raffiniertem Spiel der Violinen. Prägnant war außerdem die spielerische, teilweise abstrakte Transformation des Hauptthemas; auch das Allegro ma non troppo überzeugte mit erneutem Wechsel von Klarheit und verspielten Passagen. Besonders intensiv wirkte hier das leichte Spiel der Geigen, begleitet von raffinierten Pianoklängen auf den höchsten Tonebenen. Nach dem fulminanten Finale folgten – zu Recht – Bravorufe und lang anhaltender Applaus. Nach aller Dynamik zeigte Lukáš Vondráček mit zwei Zugaben auch die sanfte Seite seines Spiels, zunächst mit dem berührenden Liebeslied op. 7 Nr. 1 von Josef Suk und insbesondere mit der Träumerei von Robert Schumann – ein hauchzarter Genuss - den das Publikum mit begeistertem Applaus belohnte.  

Der zweite Teil des Abends zeigte sich wieder melodischer, mit Nikolai Rimski-Korsakows Ouvertüre über russische Themen. Besonders gelungen war das Wechselspiel von Hörnern, Harfe und schimmernden Geigen, das schließlich in einen von der Piccoloflöte geführten heiteren Teil überging und in einem tosenden Finale gipfelte.

Freudig, lebendig, aber auch gespenstisch wurde es mit Modest Mussorgskis (1839-1881) Eine Nacht auf dem kahlen Berge (Arr. N. Rimski-Korsakow), das geprägt war von tänzelnden Klängen, nahezu humorvoll, mit dem raffinierten Spiel der Violinen, doch auch scharfen Flötenklängen. Hier zeigten sich auch die Blechbläser und das Schlagwerk in vollstem Klang und leiteten zum Finale der Mitternachtsglocke über.

Einen festlichen Ausklang fand der Abend mit Pjotr Tschaikowsky (1840-1893) und dem prachtvollen wie  majestätischen Walzer aus Eugen Onegin. Es erklangen schwungvolle und heitere Sequenzen, durchbrochen von inniger Sehnsucht und Melancholie, die erneut der Eleganz der Streicher und dem harmonischen Spiel von Horn und Flöten wichen.

Es war ein gelungener Beginn der neuen Spielsaison, mit einem begeisterten Publikum, das Dirigent und Orchester mit lang anhaltendem Applaus feierte und dafür mit einer kleinen Zugabe belohnt wurde.

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