St. Jacobi

Rezension

Das bemerkenswerteste an der Musik von Johann Sebastian Bach ist ihre unglaubliche Vielschichtigkeit. Egal welches Level der Musikkenntnis man hat, bei Bach ist man immer genau richtig. Obwohl seine Musik von so erhabener Komplexität ist, dass ganze Berufszweige seine Harmonik und Symbolik zu entwirren versuchen, so kann man diese Musik auch genießen, ohne dass man von ihrer Allegorik etwas versteht.  

Die „Clavierübung Teil III“ ist ein perfektes Beispiel dafür, enorm komplex und einfach schön. Sie ist ein Zyklus für die Orgel im Wechsel mit Choralabschnitten für Chor. Aus diesem Grund wurde sie im Programm als „Orgelmesse“ angeführt. Stefan Kordes griff in die Tasten der mächtigen Orgel von St. Jacobi, die Schola St. Jacobi unter der Leitung von Leonie Bastin sang.

Das Stück begann in festlichem, pompösem Charakter mit dem Präludium in Es-Dur. Diese Eröffnung machte auch gleich ersichtlich, dass dieses Werk ein ausgesprochenes technisches Können erforderte. Stefan Kordes bewies flinke Finger und zeichnete sich als virtuoser Organist aus. Im weiteren Verlauf fächerte diese Orgelmesse ein uferloses Spektrum an Melodielinien und Klangfarben auf. Im selben Maß fand man sich in einem Wechselbad der Emotion. Fröhlich beschwingte Stellen, wechselten sich mit aufwühlender Spannung ab. Ergänzend zum Orgelspiel fanden sich mehrere, kurze Choräle. Die Schola präsentierte einen ausgewogenen, balancierten Klang, der niemals den Fokus von der Orgel zu ziehen versuchte, sondern mit einem edlen Maß der Zurückhaltung eine gefühlvolle Ergänzung zu den Pfeifen bildete.

Der Höhepunkt der Messe war sicher der Teil „Aus tiefer Not“. Nach einem packenden Choral, in dem sich der weich fließende Klang mit beispielhafter Sanftheit in den Raum legte, donnerte die volle Orgel mit einem unheilvollem Klangteppich, der die Luft mit epischer Dramatik erfüllte. Die Fuge zum Schluss verlangte dem Organisten noch einmal alles ab. Sie war nicht nur das letzte Puzzlestück in der tiefgreifenden Symbolik dieses Werkes, sondern auch ein überaus temperamentvoller Ausdruck von christlicher Fröhlichkeit, um diese Messe mit inniger Freude ausklingen zu lassen.

Eine Einführung vor Beginn und nach der Pause gab es von Dr. Christine Blanken aus Leipzig. Sie beleuchtete die Entstehungsgeschichte der Orgelmesse, in welchen Lebensumständen Bach sich befand, wer seine Unterstützer und Kritiker waren, welche Vorlagen er benutzte, wie der den Druck vorbereitete oder welche Symboliken auftauchen in ihrer leicht detailverliebten Rede. In diesem Sinne konnten die Zuhörer auch in eine tiefere Ebene der Musik eintauchen.

Das Konzert war das zweite im Zyklus der 25. internationalen Orgeltage in Göttingen. Von 25.8.-16.11. finden insgesamt 16 Konzerte statt. Obwohl jedes Konzert äußerst hörenswert ist, so ist im Besonderen das Konzert am 18. 11. „In terra pax – Frieden auf Erden“ zu erwähnen, ein Gedenkkonzert anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Endes des. 1. Weltkriegs. Werke von Arnold Schönberg, Dimitri Schostakowitsch und Frank Martin werden erklingen.

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