Alte Fechthalle

Rezension

Bereits zum dritten Mal gastierte das Harfenduo mit Laura Oetzel und Daniel Mattelé in der Alten Fechthalle in Göttingen. Eine treue Fangemeinde begleitet die beiden Musiker, so war die Halle in der Geiststraße gut besucht.
„Ravel vs Debussy“ lautete das Motto des diesjährigen Konzertes: damit standen die beiden Hauptvertreter des Impressionismus in der Musik im Mittelpunkt. Gleich zu Beginn zeigte sich die Qualität des Harfenduos. Denn es stand die „Suite bergamasque“ von Claude Debussy auf dem Programm, mit dem berühmten „Clair de lune“ im dritten Satz.

Dieses Werk ist eigentlich für Klavier geschrieben, Oetzel und Mattelé haben es für zwei Harfen arrangiert. Geschickt wurden Melodie und Begleitung für die vier Hände an den beiden großen Pedalharfen verteilt, es entstanden geradezu sphärenhafte Klänge. Zwei Tänze („Danse sacrée“ und „Danse profane“) schlossen den ersten Teil des Konzertes ab. Diese sind von Debussy für Streichorchester und eine „chromatische“ Harfe geschrieben worden. Diese vom Haus Pleyel entwickelte Harfe hatte die Saiten in zwei Reihen gekreuzt angeordnet. Dies entsprach in etwa der Anordnung einer Klaviertastatur mit den diatonischen Saiten (was den weißen Tasten entspricht) auf der einen und pentatonisch gestimmten Saiten (schwarze Tasten) auf der anderen Seite. Gespielt haben Oetzel und Mattelé allerdings auf der heute üblichen Doppelpedalharfe; hier werden die Halbtöne durch Pedaleinsatz erzeugt: die Saiten werden durch Fußpedale in zwei Stufen je um einen Halb- und einen Ganzton nach oben gestimmt. In den beiden Tänzen setzte Debussy viele Akkordrückungen und Ganztonleitern ein, um die Besonderheiten der chromatischen Harfe zu verdeutlichen. In ihrem Arrangement für zwei Harfen wurden die besonderen Klangbilder wunderbar deutlich.

Im zweiten Teil stand zunächst „Ma Mère l’Oye“ von Maurice Ravel auf dem Programm. Diese Sammlung kurzer Stücke zu verschiedenen Märchen aus der Sammlung von Charles Perrault aus dem 17. Jahrhundert. Diese im Grunde einfachen Melodien und Sätze, geschrieben für Klavier zu vier Händen, haben in dem Arrangement für zwei Harfen eine zauberhafte Wirkung: auf der einen Seite wirkt die Musik schlicht und unschuldig, auf der anderen Seite raffiniert. Laura Oetzel und Daniel Mattelé schafften es, diese Wirkung auch auf ihren Instrumenten zu erzeugen.

Am Ende erklang ein Werk, das man auch einmal in der Originalbesetzung in Göttingen hören möchte: „Introduction et Allegro“, geschrieben für Soloharfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett. Zahlreiche Glissandi passen perfekt zu den Klangbildern einer Harfe. Oetzel und Mattelé zeigten eine enorme dynamische Bandbreite und Virtuosität auf ihren Instrumenten. Das begeisterte das Publikum derart, dass der Applaus am Ende lange anhielt.

 

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