Torhaus-Galerie

Eine Ausstellung, die sich mit dem Leben und dem Tod beschäftigt, könnte in Göttingen keinen besseren Platz finden als die Torhaus-Galerie. Auch dann, wenn es sich um Cartoons und Karikaturen handelt? Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher der Ausstellungseröffnung waren sich schnell einig. Und auch die beiden Redner des Tages lobten den Ausstellungsort. Martin Sonntag von der „Caricatura Kassel“ sprach sogar ein besonderes Lob aus. „Einen solchen Ausstellungsort könnten wir in Kassel auch gut gebrauchen“, meinte er. Ist doch die Wanderausstellung „Auf Leben und Tod“ nach ihrer ersten Ausstellung im Museum für Sepulkralkultur in Kassel zum Beispiel in den Räumen einer Sterbekasse gezeigt worden. „Im Museum für Sepukralkultur wurde bei dieser Ausstellung jedenfalls viel gelacht“, stellte er rückblickend fest. Von den über 80 Originalkunstwerken und 50 Drucken, die 2016 dort ausgestellt worden sind, wurden ungefähr 50 ausgewählt, die nun als Wanderausstellung ihren Weg nach Göttingen gefunden haben.

Martin Sonntag versprach zu Beginn seiner Einführung: „Es wird ernst - todernst!“ Wer ihn kennt, weiß, was das zu bedeuten hat. Obwohl sich Sonntag alle Mühe gegeben hat – sein Humor, den er als Betreiber der Caricatura ohnehin haben muss, ließ ihn bei seiner Ansprache nicht im Stich. Außerdem resümierte er: „Es wird immer interessant, wenn Komik sich Tabuthemen annimmt.“ Am Ende war es nicht ganz so ernst.

„Darf man über den Tod lachen?“, fragte Kulturdezernentin Petra Broistedt in ihrer Begrüßung. Sie stellte aber sofort fest, dass Himmel und Hölle zum klassischen Repertoire der Künstlerinnen und Künstler gehören. Außerdem ist bei den ausgestellten Künstlern auch der Elchpreisträger Gerhard Glück dabei – und das allein rechtfertigt diese Ausstellung. Im Übrigen stellte Broistedt, die als Kultur- und Sozialdezernentin auch für die Gesundheit zuständig ist, fest: Lachen ist nicht nur gesund, sondern auch heilsam.

Dass eine solche Ausstellung nicht ganz selbstverständlich ist, betonte Norbert Mattern vom Göttinger Verschönerungsverein, der die Torhaus-Galerie betreibt. „Normalerweise stellen wir die Werke eines oder zweier Künstler in den Mittelpunkt unserer Ausstellung. Hier sind es Drucke von über 20 Künstlern.

Und die beweisen in ihren Werken einen bemerkenswert morbiden Humor, wie auch Denis Metz: „Sie haben ihr Ziel erreicht“, spricht das Navigationsgerät an dem Rollator einer älteren Dame, die einen Friedhof besuchen möchte. („Das ist mein heimlicher Liebling in der Ausstellung, bekannte Petra Brostedt.) „Du tot im Flur, Hans? So kenne ich dich gar nicht“ lassen die Cartoonisten „Rattelschneck“ ihre Person sprechen, die ihren Gatten tot auffindet.
Die überaus gut besuchte Eröffnung dieser Ausstellung wurde durch den Göttinger Kontrabassisten Martin Tschoepe musikalisch umrahmt. Tschoepe spielte überwiegend eigene Stücke mit einem hohen Anteil an Improvisationen, aber auch Stücke anderer Komponisten. Und am Ende entpuppte sich die Kontrabasshülle doch nicht als Sarg, der womöglich zur Ausstellung gehört.

Die hohe Besucherzahl bei der Vernissage lässt absehen, dass bis zum 9. September noch viele Besucherinnen und Besucher die Torhaus Galerie besuchen werden. Geöffnet hat die Galerie Freitags bis Sonntags von 15 bis 17 Uhr. Empfehlenswert ist der Besuch auf jeden Fall.

Ergänzt wird die Ausstellung durch einen Liederabend mit Johannes Eidt am 26. August um 17 Uhr. Überschrift lautet passenderweise „Du kommst aus dieser Welt nicht lebend heraus“.

Am Tag des offenen Denkmals am 9. September gibt es ab 11 Uhr Vorträge, Führengen und Informationen, bevor um 17 Uhr zum Abschluss der Ausstellung Stephan Franke sein Kabarett „Ruhe sanft“ präsentiert. Eintrittskarten für die beiden Veranstaltungen sind im Vorverkauf in der Tourist-Information im Alten Rathaus erhältlich.

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