Kultursommer

Natogipfel, Zuwanderung, Donald Trump bis Erich Honecker, und die Jugend von heute – diese und noch viele weitere aktuelle Themen und Entwicklungen aus Politik und Gesellschaft präsentierten, satirisch und humorvoll brillant verpackt, die Kabarettisten Nessi Tausendschön, Reiner Kröhnert und Arnulf Rating beim 1. Göttinger Kabarettgipfel.

Drei vollkommen unterschiedliche Programmgestaltungen, in denen Kritik und Aufruf alle Gäste des Abends auf ihre Weise erreichten. Eine hervorragende Idee hatte Arnulf Rating, der mit einem ganzen Koffer voller Zeitungen auf die Bühne kam und mittels Titelschlagzeilen das gesamte aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehen der letzten Monate nachzeichnete. Seine eigene kritische Auseinandersetzung präsentierte er in exzellenter verbaler Satire: Klar, mit scharfen Pointen, die so natürlich flossen, dass sie erst Sekunden später so richtig verstanden wurden; dabei redete er sich regelrecht in Rage, was zugleich zu seiner extravaganten äußeren Erscheinung passte, von der Haarfrisur bis zu den knallroten Schuhen. So machte er seinem Ruf als „Polittornado“ alle Ehre.

Musikalisches Kabarett präsentierte Nessi Tausendschön mit ihrer vielfältigen, experimentierfreudigen Stimme, in Begleitung ihrer Einmannband William Mackenzie. Es wurde frech, schräg und auch schrill, insbesondere in ihrer skurrilen, hervorragend umgesetzten Rolle als Schutzengel oder vielmehr „Rauschgoldengel“ ihrer selbst, mit leichtem bis mittelschwerem Alkoholproblem. Mit Sektflasche in der Hand wollte dieser einmal ein positives Lied singen, dass jedoch mit jedem Schluck aus der Flasche und entsprechend ansteigendem Pegel immer abgründiger wurde. Fleißig plauderte der Engel aus dem Nähkästchen, mit welchen kleinen Lastern die Engelskollegen von Seehofer, Merkel und anderen aufwarten können. An manchen Stellen war die Lautstärke jedoch zu geballt für die Räumlichkeiten des alten Rathauses. In ihrer Zugabe gab sie eine schöne melodische Kostprobe ihrer natürlichen, warmen Gesangsstimme.

Als dritter im Bunde folgte Reiner Kröhnert. Ein wirklicher Meister der Parodie, der in den unterschiedlichsten Rollen brillierte und sich stimmlich und mit Gesten erschreckend nah an den „Originalen“ bewegte. Mal als mit Putin über Abhörpläne telefonierende Angela Merkel, als Donald Trump über „fake news“ , aber auch als multiple Persönlichkeit in einer Dreierkonstellation, einer Parodie-Talkrunde mit dem Titel „Der Intellekt hat viele Gesichter“, in der er in seinen Rollen als Michel Friedmann, dessen „Dauergast“ Rüdiger Safranski und als sich erleuchtet fühlender Boris Becker brillierte, der herausgefunden hat, dass Geld doch nicht der Sinn des Lebens ist und deswegen alles ausgegeben hat. Nicht zu vergessen die Zweite Runde mit Daniela Katzenberger, die er ebenso hoch überzeugend parodierte und dabei ihren Charakter und vor allem ihren schwierigen Dialekt mit Bravour nachahmte. Am Ende gab er als Zugabe noch Erich Honecker zum Besten, gefolgt von tosendem Applaus.

Ein gelungener Abend, der dem Publikum nicht nur äußere Hitze aufgrund des hohen Besucheraufkommens im Alten Rathaus bescherte, sondern auch wegen des unvermeidlich hohen Lachpegels und der grandiosen Stimmung im Saal.

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