40 Jahre Städtepartnerschaft mit Thorn

Ein gemeinsames Konzert des Göttinger Symphonie Orchesters und des Thorner Symphonieorchester (Toruńska Orkiestra Symfoniczna) mit Beteiligung der Kantorei St. Jacobi und der Göttinger Stadtkantorei hat am vergangenen Freitag in Thorn/Toruń einen besonderen Akzent bei den Feierlichkeiten der 40-jährigen Städtepartnerschaft Göttingen – Thorn gesetzt. Auf dem Programm des Konzerts im Thorner Kultur- und Kongresszentrum CKK Jordanki stand Gustav Mahlers Symphonie Nr. 2, die „Auferstehungssymphonie“ unter der Leitung des polnischen Dirigenten Mariusz Smolij. Mit diesem Werk wird sich am Freitag der Ende August aus seinem Amt scheidende GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller von seinem Göttinger Publikum verabschieden. Auch in diesem Konzert in der Göttinger Stadthalle werden GSO und das Thorner Symphonieorchester gemeinsam spielen.

Dem Thorner Konzert ging ein ausführlicher Festakt voraus. In ihren Grußworten bekräftigten der Thorner Stadtpräsident Michał Zalewski und Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler den hohen Stellenwert der 40-jährigen Partnerschaft der beiden Städte. Köhler: „Vor 40 Jahren haben wir eine Partnerschaft gesucht – gefunden haben wir Freunde.“ Und wie es sich für Freunde gehört, gab es gegenseitige Geschenke. Zalewski überreichte Köhler einen symbolträchtigen Thorner Lebkuchen, Köhler revanchierte sich mit einer Metallskulptur des Göttinger Künstlers Frank-Helge Steuer: eine sich nach innen windende Schnecke, die auf einen nach Göttingen benannten Thorner Straßennamen („Ślimak Getyński“: Göttinger Schnecke) anspielt, außen gekrönt von beiden populären Brunnenfiguren der Partnerstädte, dem Flößer aus Thorn und dem Gänseliesel aus Göttingen.

In nur wenigen Proben hatte Dirigent Smolij das ausgesprochen große Ensemble zusammengeschweißt. Beide Orchester zusammen waren mit rund hundert Musikern besetzt, dazu kamen die beiden Kantoreien, die in Reisebesetzung (also ohne Berufstätige, die sich diesen viertägigen Ausflug zeitlich nicht leisten konnten) immerhin ebenfalls rund 90 Sängerinnen und Sänger stellten. Für eine solche Zahl reicht die Bühne des Ende 2015 eröffneten CKK Jordanki locker aus – da kann Göttingen mit seiner sanierungsbedürftigen Stadthalle schon etwas neidisch auf die polnische Partnerstadt sein.

Mit viel Leidenschaft und weiten dynamischen Spannungsbögen formte Smolij Mahlers symphonisches Riesenwerk, in dem sich der Komponist mit existenziellen Fragen des Lebens auseinandersetzt. Satt klang das fast 50-köpfige Streicherensemble, mannigfache Farben leuchteten in den reich besetzten Holzbläsern, die mit vielen wunderschönen solistischen Leistungen aufwarteten. Und wenn das vereinte deutsch-polnische Blech machtvoll die Höhepunkte markierte, gab es mehr als einmal veritable Gänsehautmomente. Auch am entgegengesetzten Ende der dynamischen Skala konnte das Orchester mit etlichen bewegenden Momenten aufwarten, wobei man sich durchaus mehr solche Inseln hätte wünschen können, die hier und da dem forsch vorwärtsdrängenden Enthusiasmus Smolijs zum Opfer fielen.

In den Schlusssätzen setzt Mahler die menschliche Stimme ein, zunächst solistisch in dem Lied „Urlicht“ („O Röschen rot“) aus „Des Knaben Wunderhorn“. Hier setzte die Altistin Jadwiga Rappé –1952 in Thorn geboren – ihre warm-voluminöse, mühelos den Saal füllende, frei fließende Stimme sehr kultiviert und klangschön ein. Im Finale schlägt die Stunde für den Chor, den die beiden Kantoren, Stefan Kordes für die Kantorei St. Jacobi und Bernd Eberhardt für die Göttinger Stadtkantorei, gründlich vorbereitet hatten. Das eröffnende „Aufersteh’n, ja, aufersteh’n“ im dreifachen Piano hatte eine zutiefst ergreifende Wirkung. Auch längere A-cappella-Strecken wurden weitgehend intonationssicher bezwungen. Der Chorklang, flankiert von Jadwiga Rappé und der schön timbrierten, ausgesprochen stimmstarken Sopransolistin Ewa Biegas (mit etwas ausuferndem Vibrato), war fast durchweg schön homogen und sehr ausdrucksstark. Am Ende gab es Standing Ovations – die Begeisterung für diese eindrucksvolle partnerschaftliche Synergie war einmütig.

Das Konzert am Freitag, den 29. Juni in der Stadthalle Göttingen ist bereits ausverkauft.

Kommentare powered by CComment

Figurentheatertage

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok