Göttinger Vokalensemble

Romantische Chormusik überwiegend von Felix Mendelssohn Bartholdy stand auf dem Programm des Göttinger Vokalensembles, das mit seinem Leiter Andreas Jedamzik in der Göttinger Nikolaikirche konzertierte.
Jedamzik ist es gelungen, mit seinem Chor einen überaus homogenen Klang zu erzeugen. So entstand schon gleich zu Beginn in der Motette „Aus tiefer Noth schrei‘ ich zu dir“ ein phantastischer „Mendelssohn-Sound“, der die zahlreichen Besucherinnen und Besucher intensiv berührte.

Wie intensiv an den Werken gearbeitet worden ist, wurde auch in der Psalmvertonung „Warum toben die Heiden“ deutlich. Viele kleine Details in der Artikulation und eine differenzierte Dynamik verliehen der Musik – und hier besonders auch dem Text des 2. Psalms – einen besonderen Charakter. Da Mendelssohn in seinen Psalmvertonungen Opus 78 auf eine dramatische musikalische Ausgestaltung der Inhalte verzichtete, muss man wohl annehmen, dass ihm genau an dieser differenzierten Wiedergabe besonders gelegen war.

Zu den Motetten Opus 78 gehören auch der 43. Psalm „Richte mich Gott“ und der 22. Psalm „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen“, die an diesem Abend ebenfalls erklangen. Mendelssohn hat in der Besetzung immer wieder Phrasen für ein kleines Ensemble und für Solostimmen vorgesehen. Diese wurden aus dem Chor heraus besetzt. Unter den Sängerinnen und Sängern Laura Demant, Leonie Breier, Ronja Mengel, Sascha Herz und Denis Wollenhaupt sei Sascha Herz besonders hervorgehoben. Seinen Solopart in „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen“, hat der junge Tenor berührend innig gestaltet.

Seltener als diese „Chorklassiker“ sind die Motetten „für weibliche Stimmen mit Orgel“ zu hören. Aus dem Opus 39 erklangen „Veni domine“ und „Laudate pueri“. An der Orgel begleitete Jonas Alpmann den Frauenchor. Alpmann spielte auch zwei Orgelwerke von Niels Wilhelm Gade und von Josef Gabriel Rheinberger. Von diesem begabten jungen Organisten wird man hoffentlich in Göttingen noch häufiger hören.

Nachdem die Frauenstimmen überzeugt hatten, konnten die Herren zu Beginn der Motette „Mitten wir im Leben sind“ beweisen, dass auch sie mit ihrem geschlossenen Ensembleklang begeistern können.

Zu dem Gelingen des Abends hat auch die Präsenz der Choristinnen und Choristen beigetragen: der ständige Blick nach vorne zum Dirigenten lässt eine schnelle Reaktion auf die Zeichen des Chorleiters zu, lässt die Musik akustisch direkt in den Raum erklingen und ist zudem ein schönerer Anblick, als in die Noten versunkene Gesichter. Im Göttinger Vokalensemble haben fast alle der 30 Sängerinnen und Sänger diese Präsenz gezeigt. Wenn künftig der kleine Rest dies auch tut, werden auch die ganz kleinen Pannen in den Einsätzen und Tempoveränderungen vermieden. Diese kleinen Kritikpunkte taten aber dem Genuss dieser guten Stunde Chormusik kaum einen Abbruch.

Den Abschluss des Programms bildete der „Chorschlager“ von Rheinberger: das „Abendlied“. Und anschließend entlud sich die Begeisterung im Publikum: Chor, Solisten, Organist und Dirigent erhielten lauten und langen Beifall. Zum Dank gab es den „Nachtklang“ von Johannes Brahms.

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