Göttinger Abende zeitgenössischer Musik

Im Rahmen der Reihe „Göttinger Abende zeitgenössischer Musik“ war das auf Neue Musik spezialisierte Nomos-Quartett zu Gast in Göttingen. Im Theater im ehemaligen IWF erklangen Werke von Mozart, Joachim Heintz und Sarah Nemtsov.

Der Initiator der Reihe, der Göttinger Komponist Bernd Schumann, hat außerdem den Komponisten Joachim Heintz eingeladen. Er komponiert viel mit Elektronik und unterrichtet darin auch Studierende an der Hochschule in Hannover. Ob alle Komponisten nun das Programmieren lernen müssten, wollte Schumann von Heintz wissen. „Die Komponisten sollen lernen, das umzusetzen, was sie wollen“ widersprach Heintz und führte fort: „Ein Computer kann man mehrere Instrumente werden.“

Das wurde im ersten musikalischen Block deutlich: das Nomos-Quartett spielte zunächst die ersten beiden Sätze aus dem Streichquartett KV 428 von Wolfgang Amadeus Mozart. Heintz nahm in seinem 2017 entstandenen „Streichquartett mit Elektronik – Wege“ vor allem Bezug auf den zweiten Satz des Quartetts. „Auch Mozart ist neue Musik, wenn man ihn neu ansieht“, beschreibt Heintz sein Verständnis von Mozart. Mit 5 Lautsprechern, zwischen denen sich Martin Dehning, Meike Bertram (Violinen), Friederike Koch (Viola) und Sabine Pfeiffer (Violoncello) vom Nomos-Quartett platziert haben, entstand eine Art „Doppelquartett“ (so Heintz). Neben den Streicherklängen von den Instrumenten erklangen aus den Lautsprecher ebenfalls Streicherklänge, die zum Teil als Aufnahme eingespielt wurden, zum Teil aber von Heintz am Keyboard und PC verfremdet wurden.

Die Musiker spielten diesen dekonstruierten Mozart mit großem Ernst. Nur beim Komponisten waren größere Emotionen sichtbar. Die Musik blieb so etwas nüchtern und steril. Dadurch, dass die Elektronik selbst weitgehend „nur“ Streicherklänge wiedergab, fehlten die Überraschungen in der Musik. Übrig blieben die einzelnen Klänge – ähnlich wie in dem Buch „Kunst aufräumen“: fein säuberlich sortiert, geschichtet und gestapelt.

Das änderte sich nach der Pause. Hier stand ebenfalls ein Streichquartett von Mozart Pate: das „Dissonanzenquartett“ KV 465, wieder wurden die ersten beiden Sätze gespielt. Und schon hier zeigten die vier Musiker aus Hannover Emotionen und Freude am Spiel, was sich sofort auf den Hörgenuss auswirkte. Und auch die Komposition „Weggeschliffen“ von Sarah Nemtsov (Jahrgang 1980) wirkte bei den zahlreichen Spielanweisungen an die Musiker Freude am Experimentieren mit Klängen. Spannende Dissonanzen und Klänge wurden von den Streichinstrumenten erzeugt. Das wäre sogar ohne die elektronischen Geräusche gewesen, die von der u.a. in Haifa lehrenden Komponistin mit „ad lib.“ dngegeben waren und bei der Uraufführung vor wenigen Wochen nicht zum Einsatz kamen. Erstmals erklang die Komposition also vollständig, wie Martin Dehning in der Einführung in das Werk erläuterte.

Ein spannender Abend – in einer spannenden Reihe, die hoffentlich noch zahlreiche Fortsetzungen erfährt.

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