Theater im OP

Alle zwei Jahre ruft das ThOP einen Dramatikerwettbewerb aus, an dem junge Autorinnen und Autoren bisher unveröffentlichte Werke zu einem bestimmten Oberthema einsenden können und dessen Siegerstück dann vom Theater inszeniert wird. In der Edition zum Oberthema „Grenzen - Grenzgänger - Grenzüberschreitungen“ ging nun jüngst die Autorin Amanda Lasker-Berlin mit dem Stück Gelbe Wüste/Rosa Raum als Siegerin hervor. Ihr Werk, welches unter der Regie von Barbara Korte inszeniert und am vergangenen Samstag im ThOP uraufgeführt wurde, setzt sich mit hochaktuellen Themen wie Krieg und Schuldfrage auseinander.

Ein Vater (Fabio Rocchio) sucht mit seinen beiden Söhnen Anak (Phil Schlöter) und Nilih (Clemens Ibrom) die Wüste nach Terroristen ab, um diesen den Garaus zu machen und endlich Frieden auf der Welt zu stiften. Dabei gerät Wüstenbewohner Khashaja (Jella Böhm) in ihre Finger und wird daraufhin als Geisel gehalten. Was sich nun neben der erfolglosen Jagd nach Terroristen ereignet, ist ein Sinnieren über die Vergangenheit. Dabei kommen vierzehn weißgekleidete Darsteller zum Einsatz, die unter dem Namen Du mal das Gewissen, mal die inneren Dämonen darstellen. Sie sind wichtig für den Verlauf des Stücks, denn sie verleihen den Hauptfiguren nicht nur die nötige Tiefe, sondern erklären auch die Ablehnung der bereits verstorbenen Mutter gegenüber Anak und Nilih, weshalb sich das Stück auch wunderbar als psychologische Fallstudie eignet.

Der Titel Gelbe Wüste/Rosa Raum bestimmen auch das Bühnenbild. Im Zentrum stehen ein größeres Podest und zwei Stühle, die das Auto mimen, mit dem die Terroristenjäger die Wüste durchqueren. Der Boden ist dabei mit gelben Sand überschüttet, während der linke und rechte Rand der Arenabühne in rosa gehalten ist und mit ihren Kästen und weißen Stühlen als eben jene Räume dienen, in denen sich vorrangig das Du aufhält. Sehr interessant ist die Entscheidung, den Schauplatz nicht explizit zu benennen, was dem Stück einen zeitlosen Charakter verleiht.

Eine besondere Erwähnung verdient das Schauspielteam, denn dieses war durch die Bank weg fantastisch. So werden sowohl Anaks schleichende Resignation, als auch Nilihs Unberechenbarkeit sowie Khashajas herrliches Understatement und die völlige Realitätsverleugnung des Vaters von den Darstellern sehr überzeugend übermittelt. Einen Höhepunkt stellt unter anderem der Moment dar, in dem Anak seine Tabletten verweigert und der Vater ihm den kompletten Doseninhalt dann regelrecht in den Mund schüttet, aber auch der spätere Einsatz der Schreckschusspistole, mit der Nilih Khashaja richtet und somit dafür sorgt, dass sich Schock und Betroffenheit in den Gesichtern einiger Zuschauerinnen und Zuschauer breitmacht.

Es handelt sich um ein spannendes Stück, bei dem man sich ob der schwindenden Grenzen mehrmals fragen muss, wer denn nun eigentlich der Held und wer der Bösewicht ist. Einigkeit gab es hingegen zum Abschluss der Vorstellung in Form von nicht enden wollenden Applaus für die Darsteller wie auch für die anwesende Amanda Lasker-Berlin. Das während der Preisverleihung genannte Ziel, dem komplexen Stück der Autorin gerecht zu werden, gelingt dem ThOP mit ihrer Inszenierung also auf Anhieb. Auch erweist sich der Dramatikerwettbewerb erneut als wunderbare Plattform, die auch gewagten Werken wie Gelbe Wüste/Rosa Raum eine Bühne bietet.

Kommentare powered by CComment

Figurentheatertage

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok