Göttinger Symphonie Orchester

In seinem letzten Promenadenkonzert in Göttingen präsentierte Christoph Mathias Mueller den treuen Gästen ein virtuoses Programm, das es wahrlich in sich hatte. Bereichert durch die ebenso virtuose Stimme von Sopranistin Simone Kermes, die bereits einige Male gemeinsam mit Mueller und dem Göttinger Symphonie Orchester auf der Bühne stand.

Der Abend begann mit sprühender Leichtigkeit der Ouvertüre zur Oper „Der Barbier von Sevilla“, einer Mischung aus fließenden Melodien mal sanft, mal rasant, durchbrochen von kraftvollen Passagen mit steigernder Spannung. Im Anschluss die Arie „Bel raggio lusinghier“ aus der Oper „Semiramide“. Ein heiteres Stück mit der ausdrucksstarken, jubelnden, ja fast jauchzenden Stimme von Simone Kermes, kraftvolle Energie, auch in den höchsten Stimmlagen. Der charmante Humor in Rossinis Werken fand sich vor allem im dritten Stück wieder, der Ouvertüre zur Oper „La Cenerentola“, mit bruchartigen Elementen, die im sanften Spiel der Klarinette ihren Ausgleich fanden, immer mehr in Leichtigkeit übergingen und schließlich in einem starken Wechsel von tänzelnden und schwungvollen Passagen gipfelten. Es war ein erster Höhepunkt des Abends, der von den Musikern bis zum kleinsten Zupfen präzise und leidenschaftlich gespielt wurde.

In der Arie „Oh luce di quest anima“ aus der Oper „Linda die Chamouinx“ von Gaetano Donizetti, erfüllte erneut die Stimme von Simone Kermes den begeisterten Saal, mit ansteckendem Temperament voller Witz und Charme, gefolgt von Giuseppe Verdis Ouvertüre zur Oper „Nabucco“, die keinesfalls fehlen durfte. Beeindruckend waren die starke Präsenz der tiefen Blasinstrumente zu Beginn und die sanft anmutenden Passagen der Streicher. Das berührende Thema des Gefangenenchores, eingeleitet von Klarinette, Oboe und Fagott, schließlich aufgegriffen von der Trompete und zauberhaftem Schimmern der Flöten, glitt hinüber in einen sehr kraftvoll heiteren Teil. Kurz vor der Pause folgte Verdis Arie „Tu del mio Carlo“ aus der Oper „I masnaderi“ (Die Räuber). Ein wunderbarer Beginn mit Simone Kermes in der Rolle der Amalia. Im ersten Teil beeindruckte sie mit dem Trauergesang um den todgeglaubten Geliebten Carlo, getragen vom leisen Zupfen der Harfe und spürbarer Leichtigkeit der Flöte, hin zu einem euphorischen Orchesterpart mit der Nachricht, dass Carlo doch noch am Leben ist.

Nach der Pause ging es tänzerisch mit der Ouvertüre zur Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár weiter, eine herrlich durchmischte Komposition von träumerischen Harfen- und Celestaklängen, fließendem Walzer und schwungvollem Wechsel der Tempi, durchzogen mit vogelähnlichen Klängen der Flöten. Mit einer kleinen Gesangseinlage bereitete Mueller das Publikum schließlich auf seinen Gesangspart für das Vilja-Lied aus „Die lustige Witwe“ vor, diese Einladung wurde gerne angenommen. Ein weiterer Höhepunkt war die hinreißend gespielten Walzerwogen in Lehárs „Gold- und Silberwalzer“. Der Abend schloss mit zwei energiereichen Stücken von Leonard Bernstein. Bernsteins Ouvertüre zum Musical „Candide“, eine intensive Komposition mit dahineilendem Beginn und schließlich immer feiner werdenden Passagen, auch sie virtuos gespielt. Das letzte Stück, „Glitter and be gay“ aus dem Musical „Candide“, sang Simone Kermes erneut mit starker Präsenz und überzeugender Tragik.

Es war ein Abend mit einer hervorragenden Auswahl relativ kurzer, aber intensiv wirkender Stücke, die ihre ganz eigene Dynamik entfalteten und sowohl bei den Musikern als auch beim Publikum eine hervorragende Stimmung erzeugten. Allen gemein war die Raffinesse der vom Orchester hervorragend umgesetzten Kompositionen, in denen sich Spannung, Detailliebe für jeden noch so kleinen Ton begegneten. Nicht zu übersehen war die besondere Stimmigkeit im Zusammenwirken von Orchester, Christoph Mathias Mueller und Simone la Kermes, zweier Persönlichkeiten mit ansteckendem Temperament. Die beiden Zugaben sang Simone Kermes mit Dank an Georg Friedrich Händel und entließ das Publikum mit einem wundervoll gesungenen und tief berührenden „Lascia Ch´io pianga“.

Nach diesem Konzert dankte das Publikum mit begeisterten Standing Ovations. So fand der letzte Promenadenzyklus unter der Leitung von Christoph Mathias Mueller einen feierlichen und emotionalen Abschluss.

 

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