Deutsches Theater

Mit ernstem Blick warten Dorothée Neff, Benjamin Kempf und Christoph Türkay auf den Beginn der Nachtbar. Dorothée Neff reinigt langsam, beinahe meditativ ein Messer, mit dem sie Sushis geschnitten hat. Benjam Kempf spielt fernöstliche, auch meditative Klänge auf der E-Gitarre.

Mit einer kleinen buddhistischen Zeremonie kann es endlich losgehen. Dorothée Neff liest einen Text zu den Gitarrenklängen. Aber was ist das für eine Sprache? Es ist luxemburgisch, ihre Muttersprache. Und der Text ist von Gioconda Belli. Der Inhalt ist leider nicht zu verstehen.

Und dann kommt es zum Kern des Abends: Helmut Kohl wird zitiert: „Wer ja sagt zur Familie, muss auch ja sagen zur Frau.“ Benjamin Kempf nimmt diesen Satz komplett auseinander, was in der Frage mündet: „Ist die Frau ein Mensch?“ Der Text ist nicht von Kempf, er ist von Luise F. Pusch, der feministischen Schriftstellerin und Linguistin. Ihre Texte wie zum Beispiel die in der Sammlung „Das Deutsche als Männersprache“ (1984) haben an Aktualität nichts eingebüßt. Das Lachen bleibt den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern der Mai-Ausgabe der DT-Nachtbar bisweilen im Halse stecken.

Die Stimmung lockert sich, als es Sushi für alle gab. Und erst recht, als Dorothée Neff mal wieder ihre große Qualität als Sängerin zeigt: der Cher-Song „Bang Bang“ – gesungen im Dialog mit Christopher Türkay – war alleine schon das Kommen wert!

Am Ende wird es noch einmal sachlich. Näherungsweise zumindest. Was soll mit dem Wort „Mitglied“ passieren? „Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder“? Oder liebe „Ohneglied“? Oder „Mit Klitoris“? Kürzer „Mitklit“? Bewohnerinnen aus der Ortschaft Möse scheint das nicht so wichtig zu sein, resümiert Dorothée Neff.

Die Beschäftigung mit dem „Deutschen als Männersprache“ ist wichtig. Und dass man sie auch mit einem Augenzwinkern und dennoch mit der gebotenen Ernsthaftigkeit vornehmen kann, ist eine gute Erkenntnis. Vielen Dank an die Nachtbar im Deutschen Theater.

Die nächste Nachtbar findet am Freitag, den 22. Juni um 22.30 Uhr im Rangfoyer des Deutschen Theaters statt. Der Eintritt ist frei.

 

Kommentare powered by CComment

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok