Händel-Festspiele

Zum diesjährigen Stiftungskonzert wurde die Geigerin Midori Seiler eingeladen. Auf dem Programm standen Sonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber und Georg Muffat. Begleitet wurde sie von dem Cembalisten Christian Rieger.
Beide Komponisten prägten im 17. Jahrhundert das Salzburger Musikleben. Der Konflikt zwischen beiden gilt als legendär, ist aber nicht wirklich sicher überliefert. Die Verschiedenheit der beiden Persönlichkeiten erläuterte Rieger: während Biber als Violinvirtuose die Stücke aus der Sicht des Geigers schrieb, war Muffat Organist – also ein Tastenspieler und hatte damit eine andere Sicht auf die Geige.

Beide Komponisten schrieben ihre Musik in einer Zeit, als sich die temperierte Stimmung mehr und mehr durchsetzte. Biber stellt an die Spieler höchste Anforderungen: nicht nur, dass seine Werke technisch überaus anspruchsvoll sind, sie verlangen auch häufig nach unterschiedlich gestimmten Instrumenten. So auch bei den in der Aula der Universität vorgestellten drei Sonaten: die eine verlangte die übliche Stimmung in Quinten (also G-D-A-E), die andere in Terzen (A-E-A-D) – und die dritte musste während des Spiels umgestimmt werden.

Midori Seiler spielte diese hoch artifizielle Musik mit einer Natürlichkeit und Schlichtheit im Klang, dass es eine wahre Freude war. Heinrich Ignaz Franz Biber – der extrovertierte Barockkomponist – gespielt von einer Künstlerin, die nach keinerlei Effekten heischte. Und dennoch verlieh sie dieser virtuosen Musik durch ihr Spiel Schönheit und Eleganz. Zu den Sonnenstrahlen am Sonntagmorgen passte dieser Glanz in der Musik hervorragend.

Nach der Pause spielte Christian Rieger die Passacaglia in g-Moll von Georg Muffat. Man hörte hier deutlich, wie der Komponist mit den Tonarten spielte. Das setzte sich auch in der Sonate D-Dur für Violine und Basso continuo fort. Vermutlich hatte Muffat seinerzeit ein Instrument zur Verfügung, das auf mehreren Manualen unterschiedliche Stimmungen wiedergeben konnte.

Midori Seiler spielte mit warmen, geschmeidigen Ton diese Musik, die im Gegensatz zu der von Biber eher introvertiert klingt. Man kann sich den Konflikt zwischen beiden Komponisten durchaus vorstellen.

„Als Zugabe bleiben wir in D-Dur,“ kündigte Midori Seiler an. „Wir wechseln aber den Komponisten – den man hier in Göttingen gut kennt!“ Es erklang ein Satz aus der Violinsonate D-Dur HWV 371 von Georg Friedrich Händel.

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