Händel-Festspiele

Im diesjährigen Galakonzert der Händel-Festspiele wurde der Christ Church Cathedral Choir aus Oxford eingeladen. Stand in dem Chorkonzert tags zuvor in der Basilika St. Cyriakus in Duderstadt Chormusik der Renaissance im Mittelpunkt, war das Galakonzert ganz und gar dem Namensgeber der Festspiele gewidmet.

Zunächst erklang das Oratorium „The Choice of Hercules” von Georg Friedrich Händel. Der junge Herkules steht vor der Entscheidung: soll er der Lust oder der Tugend folgen? Soll er den schönen, bequemen Weg gehen oder den tugendhaften, schwierigeren Weg? Die Entscheidung wird wahrlich nicht einfacher, wenn die Lust von Fflur Wyn und die Tugend von Rachel Kelly gesungen wird. Beide Sopranistinnen versuchten in ihren Arien Herakles zu beeinflussen. Herakles (gesungen von Mezzosopranistin Diana Moore) bleibt am Ende standhaft. Kurz vor dem Schlussakkord entscheidet er (sie) sich für die Tugend, Hand in Hand verlassen beide die Bühne. Die Lust und ihr Begleiter (Nathan Haller) bleiben zurück. Alle Solistinnen und Solisten gebührt großes Lob: sie nahmen die Dramatik der Handlung auf. Und vor allem: obwohl Händel ihnen eine „Nummer“ nach der anderen schrieb, blieben sie ein Ensemble. So wurde aus dem Stück ein hinreißendes konzertantes Kammerspiel.

Dem berühmten Knabenchor aus Oxford bleibt in diesem Stück nur eine kommentierende Rolle. Händel hat dieses kurze Oratorium („Musical Interlude“) innerhalb nur weniger Tage komponiert, dabei griff er vor allem auf Material der Schauspielmusik Alceste zurück; ein Projekt, das nie zur Aufführung gekommen ist.

Laurence Cummings, dem Festspielorchester Göttingen, den Solisten und dem Chor ist es gelungen, dieses Werk zu einer spannenden und überzeugenden Aufführung zu bringen. Atemberaubend, wie sensibel die Orchestermusiker den Vorgaben ihres Dirigenten folgten. Und die Knaben und jungen Männer deuteten schon hier an, was für eine Qualität in ihnen steckt.

Mit je vier Alti, Tenören und Bässen sowie 15 Knabensopranen besetzt, ist der Christ Church Caethedral Choir zusammen mit seinem Leiter Stephen Darlington beinahe mit einer Kammerchorbesetzung nach Göttingen gereist. Im „Dettinger Te Deum“ war aber von kleiner Besetzung nichts zu hören. Der Chor entwickelte einen Sound, der die ausverkaufte Göttinger Stadthalle in eine englische Kathedrale verwandelte. Diese Musik, zusammen mit den phantastischen Trompeten des Barock-Ensembles riss einen geradezu von den Sitzen. Das nahm das Göttinger Publikum nicht wörtlich, umjubelte aber die Ensembles und die Solisten gleichermaßen frenetisch.

Welche Qualität in diesem Chor steckt, zeigte sich in der Besetzung der Solopassagen im „Te Deum“: noch in der Pause rätselten Konzertbesucher, wie die Nennung nur vom Bassisten Cody Quattlebaum zu verstehen ist. Die Lösung: die anderen drei Solopartien wurden aus dem Chor besetzt. So ergab sich ein homogenes Gesangsensemble. Und für Quattlebaum gab es eine weitere Gelegenheit, seinen profunden Bass einzusetzen. Während er in der Oper „Arminio“ nur eine einzige Arie zu singen hat, durfte er sich im Galakonzert gleich mehrfach beweisen. Dabei zeigte er nicht nur seine große stimmliche Qualität, sondern zeigte auch einen enormen Stimmumfang: auch in den hohen Lagen klang seine Bassstimme niemals angestrengt.

Ein Galakonzert, das seinen Namen zu Recht trug: eine Gala der Stimmen und Instrumente. Mittendrin und doch ganz vorne: Laurence Cummings, der mit seiner musikalischen Leitung die Musik zum Leben erweckt und bei Mitwirkenden und Zuhörern gleichermaßen in jedem Winkel der Stadthalle Begeisterung weckt.

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