Händel-Festspiele

Es waren schon zahlreiche bedeutende Chöre zu Gast bei den Internationalen Händel-Festspielen Göttingen. Erstmals hat nun der Christ Church Cathedral Choir aus Oxford die Festspiele besucht. Am Freitag gab es ein Konzert mit diesem weltberühmten Chor in der Basilika St. Cyriakus in Duderstadt.

Intendant Tobias Wolff und sein Team hatten viel zu tun, die zahlreichen Kartenwünsche zu erfüllen – oder an der Abendkasse eben auch nicht: denn das Konzert war restlos ausverkauft. „Wir hatten nicht einmal mehr einen Schemel frei“, beschrieb Wolff die Situation. Viele Interessenten mussten so noch am Konzertabend abgewiesen werden.

Diejenigen, die einen Sitzplatz ergattert hatten, haben einen phänomenalen Abend erlebt: einen Chorklang, den man nur ganz selten hören kann. Dieser Klang ist auch das Markenzeichen dieses Chores aus Oxford: ein typisch englischer, durch die Knabenstimmen diskantbetonter Kathedralchor-Sound.

Das erstaunliche dieses Chorklangs ist die Homogenität der Stimmen. Und zwar auch dann, wenn einzelne Stimmen als kleines Ensemble oder gar solistisch hervortreten: stets wird die Wiedergabe geprägt von überaus schlankem Klang, von perfekter Intonation, genauer Artikulation und großer Lebendigkeit.

Der renommierte Dirigent Stephen Darlington hat für dieses Konzert überwiegend Musik der englischen Renaissance auf das Programm gesetzt: Kompositionen von John Shephert und William Byrd erklangen vor der Pause, dazu ein Präludium für Orgel von Dietrich Buxtehude. Der 28köpfige Chor stand vorne im Chorraum – so gab es nicht nur etwas zu hören, sondern auch zu sehen.

Nach der Pause stand Musik von Henry Pucell und natürlich von Georg Friedrich Händel auf dem Programm. Wegen der Orgelbegleitung sang der Chor nun von der Orgelempore. Allerdings wurde die Musik zumindest bei den Stücken von Purcell nicht himmlischer. Die zum Teil sehr jungen Choristen taten sich zunächst etwas schwer. Das kann an der Musik gelegen haben, wahrscheinlicher aber lag es an den veränderten akustischen Verhältnissen. Spätestens bei dem Anthem „Zadok the Pries“ liefen sie aber zu gewohnter Form auf. Es ist erstaunlich, welch raumfüllender Klang aus 16 Knaben- und 12 Männerstimmen entstehen kann.

Auch im zweiten Teil gab es ein Orgelstück: der Psalm 24 von Anthony van Noordt (1619–1675). An der Orgel spielten Clive Driskill-Smith und Makoto James.

Als Zugabe gab es – nun wieder aus dem Altarraum – ein Ave Maria von Robert Parsons (1535–1572). Hier zeigte Stephen Darlington noch einmal das große Können seines Chores, den er seit 1985 leitet. Im September wird er die Leitung in andere Hände abgeben. Es war eine Sternstunde in Duderstadt, den Christ Church Cathedral Choir und seinen Dirigenten Stephen Darlington erleben zu dürfen. 

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