Händel-Festspiele

Händel4Kids

„Sind das echte Menschen?“ – eine Frage, die sich sicherlich nicht nur ein kleines Mädchen beim ersten Anblick der Bühnenkulisse in der Fechthalle stellt, sondern auch andere junge und erwachsene Besucher des Musikstücks „Krach mit Bach“ (von Jörg Schade).

Denn in eben dieser Kulisse haben sich die Schauspieler Carl-Herbert Braun und Jörg Schade als überzeugende Requisiten integriert und harren nun tapfer als regungslose Standbilder in ihren Gemälden aus, bis die Uhr Mitternacht schlägt und das Stück beginnt. Aus dem Bilderrahmen steigt ein hungriger Georg Friedrich Händel (Braun), der sich nach dem Aufwecken seines schlecht gelaunten Komponistenkollegen Bach (Schade) zunächst mit schmackhaften Mozartkugeln von der Theaterkasse versorgt.

Händel und Bach geistern bereits seit nunmehr 300 Jahren gemeinsam jede Nacht um Mitternacht eine Stunde lang im Bildersaal des Musikmuseums umher. Dass sich die beiden nicht besonders sympathisch sind und jeder sich für den besseren Komponisten hält, ist bereits nach den ersten Sätzen erkennbar und setzt sich in Form von äußerst amüsanten und hervorragend dargestellten Zankereien durch das ganze Stück hindurch fort. Als Museumsführerin für das Publikum, in dem an diesem Nachmittag drei Generationen vertreten sind, tritt die Sopranistin und Gesangspädagogin Laura Lietzmann als Fräulein Konstanze auf die Bühne. Fräulein Konstanze ist eigentlich Opernsängerin und arbeitet nur im Museum, weil sie kein Engagement bekommt.

Nachdem der Disput um die Frage, wer denn nun der berühmtere und bessere Komponist sei, in einem Duell mit Taktstock eskaliert, wird entschieden, sich lieber in einem Musikduell zu messen. Schnell steigt das Trio des Ensembles Prisma durch Händels Bilderrahmen auf die Bühne und begleitet musikalisch mit Harfe (Hanna Rabe), Flöte (Ralph Töpsch) und Fagott (Bernhard Wesenick) durch das Stück, ebenso die klare Stimme von Laura Lietzmann. Im musikalischen Wettstreit geben schließlich beide Komponisten ihre berühmtesten Werke zum Besten, mit der Absicht, sich gegenseitig im Ansehen des Publikums zu übertreffen.

All dies geschieht in steter Einbeziehung der kleinen Besucher durch verschiedene Fragen sowie verständlichen Erklärungen der einzelnen Instrumente. So bot das Stück auch Passagen gelungener Improvisation, wodurch eine heitere Stimmung mit herzhaftem Lachen, begeistertem Applaus und Bravorufen entstand. Eine liebevoll gestaltete Kulisse und zeitgenössische Kostüme gewährten einen authentischen Einblick in die Epoche der beiden Komponisten. Eine pädagogisch gewissenhaft durchdachte Inszenierung, die Kinder an die Werke der beiden Komponisten heranführt. Nicht zu übersehen war die ansteckende Freude der beiden Schauspieler Carl-Herbert Braun und Jörg Schade, mit der sie die Kinder an den Händel-Festspielen teilhaben ließen, mit einer gehörigen Portion Humor, auch für Erwachsene. Nach begeistertem Applaus und Fußgetrappel folgte schließlich  noch eine eindringliche Bitte von Jörg Schade: „Bleibt und bleiben Sie der klassischen Musik treu, es lohnt sich!“

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