Altes Rathaus

„I don’t have a new CD– life ist schuld. Too many wives and children. I don’t sit at the river anymore writing songs, I only write What’s app messages. But I have 60 new song ideas”. So stimmt Mark Gillespie das Publikum ein, während er Verbindung zu seiner Gitarre aufnimmt. Der Tenor des Abends ist absehbar, es wird nicht nur musikalisch, sondern auch unterhaltsam.

Mit „Chasing the Moon“ eröffnete er sein vollständig ausverkauftes Konzert in der Aula des Alten Rathauses. Er trat Solo auf, doch dieser Vollblutmusiker schuf sich durch den virtuosen Einsatz seiner loop station eine digitale Band. Mit ein paar geübten Klopfern auf seinem Roland Handsonic Schlagzeug und der Einspielung einer Stimm-oder Gitarrensequenz mischte er sich für jeden Song einen groovigen Beat. Einzig die Flöte gehe ihm heute ab, witzelt er.

Es dauerte ein paar Songs, bis sich das nur zaghaft mitschunkelnde Publikum traute auch mitzusingen. Bei „Don’t Mess around“ brach endlich das Eis und ein kollektives Don’t mess aroundlegte sich als rhythmische Linie unter seinen Gesang.  

Mark Gillespie hat viele Jahre auf der Straße gespielt und bringt daher eine besonders lässige Spontanität mit. Die Interaktion mit dem Publikum ist ihm genauso wichtig wie die Songs. Vor jedem Stück scherzte er mit dem Publikum, breitete die oft paradoxe Entstehungsgeschichte zu seinen Songs aus oder erzählte eine Anekdote aus seinem Leben. Seine running gags waren seine ehrliche Abneigung gegenüber dem Ordnungsamt und (das muss wohl ein Insider sein) das Missfallen gegenüber Panflöten. Obwohl er sich in bester Absicht eines durchgeplanten Konzerts eine exakte Sequenz an Liedern akribisch vorbereitet hatte, konnte er sich oft nicht erwehren einfach seinem musikalischen Verlangen zu folgen und einen Song völlig ungeplant einzustreuen. Auch seine Songtexte sind mehr oder weniger Richtlinien. So bettete er Chris Reas „Driving home for Christmas“ in seinen eigenen Songtext ein oder fing mitten in einem englischen Song an Deutsch zu singen. Genau diese Spontanität gepaart mit seinem sympathischen Humor und seinen großartigen musikalischen Fähigkeiten machen diesen Künstler so besonders.

Das fast dreistündige Programm füllte er mit vielen eigenen Songs wie „I believe“, „So beautiful“ und „Daydreamer“, aber auch mit Covern von Eric Clapton („Tears in Heaven“), Snow Patrol („Chasing Cars“) oder Sting („Shape of my hear“). Als Zugabe spielte er sein wahrscheinlich bekanntestes Stück „Supersonic Sunday“. Die Inspiration zu dem Lied erfasste ihn in jungen Jahren in Göttingen als ihn laute Schläge an seine Wohnwagentür aufweckten und er sich inmitten eines Flohmarktes am Schützenplatz fand.

Anlässlich des Brexits würde der aus Manchester stammende Mark Gillespie gerne die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen. Das freut uns. Vielleicht komponiert er dann auch ein paar Lieder mit deutschem Text, dann wird das Mitsingen für seine deutschen Fans noch leichter.

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