GSO

Die Atmosphäre beim Konzert des Göttinger Symphonieorchesters am Freitagabend lässt sich am treffendsten mit nur einem Wort beschreiben: „Prestissimo“ (so schnell wie möglich).

Als Auftakt eines temporeichen Abends mit dem Titel „Fantasie“, präsentierte das Göttinger Symphonieorchester unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller jedoch zunächst ein etwas ruhigeres Werk von Franz Schubert: „Fantasie f-Moll D 940“ (1828). Dieses ursprüngliche Klavierwerk wurde von Komponist und Dirigent Felix Mottl (1856-1911) für ein Orchesterstück bearbeitet. Ein sanfter, melancholischer Beginn im Allegro Moderato, mit Klarinettensolo, abgelöst von Oboe, Flöte und Fagott, dann lebhafter und fast idyllisch wirkend mit den Streichern, schließlich heiter und lebendig mit dynamischen Sequenzen des ganzen Orchesters und dem kraftvollen Einsatz der Pauke. Zum Ende hin kehrte die Melancholie schließlich wieder zurück und glitt hinein in eine wunderbare Coda mit überraschend zartem Finale. Harmonie war immer wieder spürbar durch die träumerischen Klänge von Flöte und Harfe sowie einem von den unterschiedlichen Instrumenten stets wieder aufgegriffenem Hauptthema. Bereits hier deutete sich eine wechselnde Dynamik unterschiedlichster Stimmungen an, die sich durch den ganzen Abend ziehen sollte.

Eine kleine Orchesterbesetzung mit intensiver Wirkung erwartete die Anwesenden mit Paul Hindemiths Kammermusik Nr. 4 op. 36 Nr. 3, „Konzert für Violine“, dem Kernstück des Abends. Ein im Vergleich zum vorherigen Werk nahezu stürmisches Stück mit einem höchst anspruchsvollen Solopart für Violine, was man, wie Mueller bereits in seiner Einleitung versichert hatte, der jungen Solistin Tianwa Yang nicht im Geringsten anmerkte. In spielerischer Perfektion und Windeseile ließ sie den Bogen über die Saiten gleiten, so dass Augen und Ohren des Publikums kaum folgen konnten. Eine unglaubliche Darbietung stark wechselnder Dynamiken begleitet von nur wenigen Instrumenten, wie Bratschen, Celli, Kontrabässen, Tuba und Posaunen sowie einem hervorragend gespielten Cornet à piston. In den höheren Klangebenen waren die Bassklarinette, das Fagott und insbesondere die Piccoloflöten vertreten. Der dramatischen Orchestereinleitung folgte im 2. Satz, betitelt mit „sehr lebhaft“, die Solovioline in raschen Tempo, abgelöst vom „Nachtstück“ mit sinnlicher Melodie und ruhigeren Passagen, begleitet von Trommelschlägen. Die darauffolgenden Sätze folgten hingegen wieder einer schnelleren Linie mit sich aufbauender Spannung durch die akzentuierten Klänge der Piccoloflöten. Das Werk ist durchzogen von nahezu abstrakt wirkenden Sequenzen, umso anspruchsvoller für das Orchester, mit der dahin schnellenden Violine mitzuhalten, was die Musiker jedoch mit Leichtigkeit meisterten. Selbst im letzten Satz: „So schnell wie möglich“ und der noch schnelleren Coda im Finale, wirkte das Zusammenspiel von Tianwa Yang und dem Göttinger Symphonieorchester absolut harmonisch. Es folgte begeisterte Ovation mit Bravorufen.

Nach der Pause ging es nochmals in zügigem Tempo und mit voller Orchesterbesetzung weiter. Auch hier brillierte Tianwa Yang mit ihrem meisterhaften Können, eingeleitet von einer gefühlvollen Passage mit schnell gleitenden und langgezogenen Klängen im Wechsel, gefolgt von sich erneut steigerndem Tempo. Nach begeistertem Beifall folgte eine ruhige Zugabe, die gefühlvoll zum letzten Teil des Abends überleitete. Nach aller Schnelligkeit fand das Konzert mit der lebhaft heiteren „Londoner“ Symphonie (Nr. 104 D-Dur Hob. I:104) von Joseph Hayden einen schönen Ausklang, freudig und mit bezaubernder Leichtigkeit.

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