Claviersalon

Zum Eröffnungskonzert der ClavierTage Göttingen gab sich das Klenke Quartett (1. Violine Annegret Klenke, 2. Violine Beate Hartmann, Viola Yvonne Uhlemann, Violoncello Ruth Kaltenhäuser) die Ehre. Das Quartett besteht in gleicher Besetzung seit 1991 – und das hört man auch, denn sie sind in jeder Hinsicht ein eingespieltes Team und darüber hinaus auch ausgezeichnete Mozart-Expertinnen.

Die vom Claviersalon organisierte Konzertreihe fand in Kooperation mit der evangelisch-reformierten Kirche Göttingen statt. Die ist in jeglicher Hinsicht der ideale Veranstaltungsort für ein kammermusikalisches Konzert. Die Kirche wurde nämlich ehemals als Hörsaal konzipiert und bietet durch die runde Anordnung der Sitzbänke allen BesucherInnen einen nahen Blick auf die Konzertierenden – und der hat sich gelohnt!

Schon bei den ersten Bogenstrichen des beschwingten Allegro des Streichquartetts G-Dur KV 387 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) fällt die glasklare Akustik der Kirche auf, jede Phrase ist deutlich zu hören und die oftmals verschwommene und unklare Resonanz von sakralen Gebäuden blieb aus. Dass die Kirche auch optisch eine gute Bühne durch die Nähe zu den Musikerinnen bietet, ist bei diesem Quartett von Vorteil. Auch wenn es hauptsächlich um den Hörgenuss geht, werden diese Freuden noch gesteigert, wenn man die erfahrenen Streicherinnen in ihrem Spiel beobachtet – fast schon parallel zueinander bewegen sich die erste und zweite Violinistin und zeigen große Freude an der Verspieltheit des Quartetts, als sie sich immer wieder zulächeln und insbesondere im dritten Satz die Melodie beschwingt von Bogen zu Bogen weiterführen. In diesem Andante kommen die vielseitigen Klangqualitäten der Streicherinnen besonders zum Vorschein. Auch wenn die erste Violine typischerweise im Vordergrund steht, so haben auch die ersten Instrumente Gelegenheit, sich zu präsentieren. Auch wenn dieses Quartett, ebenfalls unter dem Namen 1. Haydn-Quartett bekannt, sich in der typischen Leichtigkeit der Wiener Klassik bewegt und nicht für große Überraschungsmomente sorgt, gab es doch einen irritierenden Moment für das Publikum – nach einem Trugschluss erheben die ersten ZuhörerInnen die Hände, nur um festzustellen, dass mit ihren Hörgewohnheiten gespielt wurde.

Nach kräftigem Applaus betraten die Musikerinnen wieder die Bühne, ohne die zweite Violinistin, dafür aber mit Gerrit Zitterbart, der am Klavier Platz nahm. Die ersten Klänge des einleitenden Allegros des Streichquartetts g-Moll KV 478 sind schon deutlich energischer als die des vorigen Quartetts. Zitterbarts Hände scheinen nicht nur über die Tastatur zu gleiten, sondern auch in einem etwaigen innehaltenden Gestus das Stück zu dirigieren. Und tatsächlich wirkt auch diese Kombination der MusikerInnen äußerst harmonisch, wenn beispielsweise durch das Klavier eine Melodie eingeführt wird, die in hoher Abstimmung von den Streicherinnen anschließend verhandelt wird. Am Schluss des schwelgenden Andantes ein Innehalten, um abschließend noch einmal die Finger fliegen zu lassen und vielerlei Emotionen musikalisch darzustellen. Mit großem körperlichem Einsatz unterstrichen die MusikerInnen ihre hervorragende Darbietung, so dass man vor der Pause in viele begeisterte Gesichter schauen konnte.

Die ZuhörerInnen, die keine Mozart-Expertinnen sind, wären bei dem Streichquartett C-Dur KV 465 bestimmt nicht auf Mozart gekommen, denn es beginnt ungewöhnlich dissonant, doch nach ein paar Takten kehrt der für Mozart charakteristische Klang zurück. In ausdrucksstarker Manier spielten die Musikerinnen genussvoll das letzte Stück und präsentierten nochmals sowohl technische, als auch klangliche Perfektion. Insbesondere der finale Satz ließ nochmals über die besondere Akustik der Kirche staunen – jeder noch so schnelle Lauf war detailliert zu hören.

Nach kräftigem und langem Applaus kamen die Musikerinnen ein letztes Mal in die Mitte der Kirche, ihre Lieblingszugabe im Gepäck: die Chaconne von Henry Purcell (1659-1695). Nach diesem ruhigen Ausklang verließen die ZuhörerInnen sichtlich zufrieden das Konzert, das kein besserer Auftakt hätte sein können.

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