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Junges Theater

Zum 50. Jubiläum des Jahres 1968 hat das Junge Theater Göttingens in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Peter Schanz eine dokumentarische Inszenierung vorgeführt, die sich mit dem großen Themenkomplex der 68er Bewegung aus vielerlei Perspektiven auseinandersetzt.

Schanz' Konzeption gelang dabei der Spagat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit und beeindruckte durch die Darstellung der vielzähligen Lebensweisen, die für die 60er Jahre prägend waren. Doch von den Schauspielerinnen und Schauspielern wurde einiges gefordet. Katharina Brehl, Agnes Giese, Franziska Lather, Peter Christoph Grünberg, Jan Reinartz und Karsten Zinser übernahmen allesamt mehrere Rollen mit individuellen Charakterzügen und konnten durch ihr authentisches Schauspiel überzeugend die Atmosphäre der damaligen Zeit erzeugen. Auch die Verwendung der Requisiten, der Belichtung sowie der Musik wussten durch Abwechslungsreichtum zu gefallen. Alle Beteiligten trugen zu einer stimmigen Aufführung bei und stießen damit beim Publikum zu Recht auf viel Anklang.Aufarbeitung des Faschismus, Kritik an den bestehenden Verhältnissen, Marxismus, Emanzipation und Widerstand, freie Liebe, Krieg, Terror, die Ungleichheit in der Welt, Demonstrationen, Hausbesetzungen, all dies sind nur einige wichtige Punkte, die für viele, insbesondere Heranwachsende, in den 60er Jahren zum Lebensmittelpunkt gehörten.

GÖ 68 ff., die Inszenierung des Jungen Theaters, widmete sich in der Premiere am gestrigen Abend all diesen Aspekten des geschichtlichen Phänomens rund um das Jahr 1968 und meisterte dabei die Gefahr vor einer einseitigen Auseinandersetzung mit dem Thema. Gerade die Vielfalt ist es schließlich, die sich vor nunmehr 50 Jahren wie ein Lauffeuer in der Gesellschaft ausbreitete und dazu beigetragen hat, dass Pluralismus und Diversität von vielen als zu verteidigende Werte einer jeden freien Gesellschaft angesehen werden.

In die Aufführung eingebunden wurden neben diversen auf Interviews von Zeitzeugen beruhenden persönlichen Erinnerungen auch viele bekannte historische Persönlichkeiten. So wurde etwa reichlich Adorno zitiert, eine flammende Rede Rudi Dutschkes vorgetragen und sogar aus Texten der RAF vorgelesen, wobei der naiven Glorifizierung eben jener Personen durch humorvolle Seitenhiebe entgegengewirkt wurde. Die von den bereits genannten und noch von vielen weiteren ebenfalls vertretene kritische Haltung gegenüber den bestehenden Verhältnissen wurde jedoch nicht ins Lächerliche gezogen. Die Hoffnung auf eine bessere, gerechtere und freiere Welt wurde vielmehr in Ehren gehalten, jedoch nicht ohne die Wege zu kritisieren, auf denen sich einige das Ziel dieser besseren Welt zu erreichen hofften.

Die Aufführung glänzte außerdem durch einen kreativen Gebrauch der Requisiten. Beschriftete Banner mit radikalen Inhalten, Polizei-Absperrgitter und gemütliche Matratzen bildeten das Setting der Inszenierung und führten die Zuschauer in einige der wichtigsten Schauplätze der damaligen Zeit. Darüber hinaus gab es Livemusik, Publikumsinteraktionen und eine ungemeine Fülle an Figuren und Szenarien, welche die Vielfalt der Lebensformen in den 60er Jahren angemessen einfingen. Wer gerne mal Raubdrucke marxistischer Literatur statt Popcorn kaufen, oder kuriose WG-Gespräche über die Liebe hautnah erleben möchte, ist in dieser Inszenierung gut aufgehoben.

Auch im Publikum fand sich ein kleiner Querschnitt durch die Gesellschaft. Alt-68er, alte 68er, junge 68er, zukünftige 68er? Eine Gemeinsamkeit schien zwischen den Zuschauern der ausverkauften Premiere doch zu bestehen. Die „links-grüne Versifftheit“ war jedoch zumindest äußerlich bei vielen nicht erkennbar. 1968 steht schließlich unter anderem für Auflehnung gegen Konventionen, worunter auch der theatertypische Dresscode fällt.

Zum Ende hin wurde schließlich der Bogen zur heutigen Zeit gespannt. Der nicht von der Hand zu weisende Rechtsruck in der Gesellschaft erfordert eine Positionierung, die von der Inszenierung klar beantwortet wird. Sie lautet: Widerstand und Solidarität, und wenn's geht bitte ohne moralische Überlegenheitsphantasien.

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