ThOP

Shakespeare ist gemeinhin bekannt für so mancherlei eigenwillige Figuren, doch eine Adaption, in der ein Batman-Kostüm vorkommt, dürfte auch in diesem Universum ein Novum darstellen. Am vergangenen Mittwochabend, den 25. April, erlebte „Viel Lärm um nichts“ seine Premiere im studentischen ThOP. Diese Komödie unter der Regie von Orthey Stoll erzählt eine rührend-witzige Liebesgeschichte von zwei Paaren, eines davon bestehend aus zwei widerspenstigen Querköpfen.

Auf Geheiß von Statthalter Leonato (Klaus-Ingo Pißowotzki) darf das Heer von Don Pedro (Vinzenz Hennigs) in seiner Stadt campieren. Dabei verliebt sich einer der Edelmänner aus dem Gefolge, Claudio von Florenz (Oliver Trost), in Leonatos Tochter, die sittsame Hero (Hannah Fecht). Eine Verlobung der beiden bahnt sich an. Wenig Verständnis für das Konzept der Liebe bringen hingegen Heros Cousine Beatrice (Pauline König) und Edelmann Benedikt von Padua (David Höhle) auf, was in den zahlreichen verbalen Gefechten zwischen den beiden geradezu ausartet. Gemäß dem Motto „gleich und gleich gesellt sich gern“ kommt Don Pedro jedoch auf die Idee, auch die beiden widerspenstigen Kratzbürsten zu verkuppeln, was sich aber als kein besonders einfaches Unterfangen herausstellt. Hinzu kommt auch noch, dass Pedros Halbbruder Don John (Nils Finck) und Gefolgsmann Borachio (Darren Meineke) das Glück von Hero und Claudio mit einer Intrige zu torpedieren bedrohen. Eine verworrene Liebesgeschichte beginnt.

Im Mittelpunkt der Komödie steht die Dynamik zwischen Beatrice und Benedikt, die sich in Sachen Spitzzüngigkeit in wenig nachstehen. Ihre Darstellung war in sämtlichen Registern von offenkundlicher Verachtung über erste zärtliche Gefühle bis zum schlussendlichen Liebesgeständnis sehr überzeugend. Benedikt bewies im Spiel wahren Körpereinsatz, als er in den See tauchte, um nicht beim Lauschen erwischt zu werden. Beatrice, ebenfalls dem Lauschen nicht abgeneigt, bewies sich als überaus einnehmende Figur, die gekonnt die Aufmerksamkeit auf sich lenken konnte, sei es durch ihr zynisches Menschenbild im Dialog oder durch ihr Auftreten am Tag nach dem Junggesellinnenabschied Heros, an dem sie mit wuscheligem Haar, Pyjamahose und Silvesterdekoration am Fuß wortkarg und sichtlich gerädert die Szene betrat.

Besondere Erwähnung verdient das Bühnenbild, denn die Arenabühne des ThOP erinnert stark an das legendäre Globe Theatre in London, in dem Shakespeare tätig war. Dies erlaubte mitunter ein sehr interessantes zeitgleiches Geschehen, bei dem man sich rasch entscheiden musste, auf welche Figur man sich konzentrieren möchte. Die Kostüme und die Musik orientierten sich dagegen weniger an der Ära, in der das Stück spielte. So trat Benedikt beispielsweise als Batman in der Karnevalszene auf und Heros Junggesellinnenabschied stand ganz im Zeichen von Cyndi Laupers Girls just wanna have fun. Die zwischenzeitliche akustisch-folkige Untermalung durch Balthasar (Philip Schüller) kommt dagegen besonders in Heros vermeintlicher Grabszene effektiv zutragen.

Die Premiere kann bereits als großer Erfolg verbucht werden, denn das Publikum nahm die Komödie mit herzlichem Lachen auf und würdigte sie nicht nur mit Jubel und tosendem Applaus nach Abschluss des Stückes, sondern auch bereits vorher bei einigen Szenenwechseln. Weitere Gelegenheiten, diese vertrackte Liebesgeschichte anzusehen gibt es natürlich auch. Die nächsten Aufführungen finden am 27., 28. und 30. April sowie am 1., 3., 4., 5., 7., 9., 11. und 12. Mai statt.

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