Apex

Die lange Schlange, die sich zwischen Kasse und Eingang des Apex gebildet hatte, ließ bereits erahnen, dass Calum Grahams Auftritt in Göttingen im vergangenen Jahr in nachhaltiger Erinnerung geblieben ist.

Aufwendige Bühnenshow, harte Drums, Backgroundgesang: All das brauchte es an diesem Abend nicht, um das Publikum im fast ausverkauften Haus in Faszination zu versetzen. Es bedurfte lediglich eines einzigen Instruments, einer Gitarre, diese aber virtuos gespielt. Mal sanft und zart, mal dynamisch und kräftig erklangen die Saiten von Calum Grahams Akustik Gitarre, teilweise in Begleitung seiner Stimme. Bereits nach dem ersten Stück und den Worten „Guten Abend Göttingen, alles gut?“, wurde der aus British Columbia stammende Gitarrist und Sänger mit begeistertem und freudigem Applaus begrüßt. Bereits im Alter von 17 Jahren brachte er seine erste CD heraus und wurde für seine Klangkünste seither mit vielen Preisen geehrt. Sehr verdient, wie sich an diesem Abend erneut herausstellen sollte.

Seine Musik: Eigens komponierte Melodien, aus denen seine Leidenschaft für das Experimentieren mit verschiedensten Klangnuancen sprechen, eine Vielfalt, die von Akustikblues bis hin zu Country-Elementen und einem Hauch spanischer Gitarre reicht. Sein Stil: Klarheit und Leichtigkeit, mit Liebe zu Präzision und Detail, mit Bewusstheit für jeden einzelnen Ton. Einfaches Klopfen auf den Gitarrenkorpus und schnelles Spielen auf dem Gitarrenhals machten das Zuhören zu einem faszinierenden Klangerlebnis. Teilweise spielte Graham mit Soundeffekten seiner „Invisible Band“, seinem Soundcomputer, der rhythmische Beats erklingen ließ, die allerdings an manchen Stellen nicht nötig gewesen wären, brachten sie doch eine künstliche Note in die sonst so klare und natürlich gehaltene Klangweite. Aber nicht nur seine instrumentellen Künste, sondern auch seine facettenreiche Stimme zeigte sich immer wieder, mit Wärme in den Tiefen und leichtem Bruch in den kraftvolleren Passagen. Die Pausen, in denen er seine Gitarre stimmte, lockerte er immer wieder mit witzigen persönlichen Anekdoten auf, stets in direkter Kommunikation mit dem Publikum. Ein Konzert mit viel Humor und Begeisterung von Seiten der Anwesenden. Eine Besonderheit war die Harp Guitar mit geschwungener Form und zusätzlichen Saiten, ein sowohl äußerlich als auch von Klang her beeindruckendes Instrument, dem Graham klare Melodien und Töne durch das harfenähnliche Zupfen entlockte.

Der Raum wurde erfüllt von Melodien unterschiedlicher Dynamik, viele von ihnen tiefgehend, verträumt und nachdenklich stimmend, das Erzählen eigener Geschichten, die Sprache nicht auszudrücken vermag. Ein besonderer Höhepunkt das Lied „Farewell“, das Graham mit persönlichen Worten einleitete: „Music is a universal language, that everyone can understand“. Aber es gab weitere Höhepunkte wie die Songs „Waiting“ und „Lighthouse“, ein Lied für seine Schwester, das in seiner Intensität durch den Gesang noch verstärkt wurde:

„When the rain falls from the skies
and the sun refuses to shine
I will be the lighthouse in your storm
I´ll be the light
that shines through the night
to guide you home“

Kurz vor der Pause, ein virtuos gespielter Tribut an Jimmy Hendrix mit dem Titel „The Nomad“. Man dachte, besser kann es eigentlich nicht mehr werden, aber das Beste kommt zum Schluss: „Phoenix Rising“, ein Lied mit eindeutig spanischem Flair, rasante Präzision bis zum letzten Klang – ein Blick ins Publikum: Kopfschütteln vor Faszination, gefolgt von tosendem Applaus und zwei Zugaben, unter anderem eine Coverversion von Michael Jacksons „Billy Jean“, hervorragend, auch ohne einen Moonwalk. 

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