Apex

Es wäre wirklich schade gewesen, hätte die junge Sängerin Sobi am letzten Tag ihrer Tour vor einem überschaubaren Publikum im Apex spielen müssen, sah es doch zunächst noch bis wenige Minuten vor Konzertbeginn so aus, als wenn jenes an diesem lauen frühsommerlichen Abend die Möglichkeit vorzog, den Abend draußen zu verbringen. Schlagartig füllte sich der Raum dann doch noch, und die Gäste erschienen zahlreich.

Überraschenderweise war es aber zunächst nicht die Singer/Songwriterin und Gitarristin Sobi, die die Bühne betrat, sondern gewissermaßen eine Oneman-Vorband, bestehend aus Sobis Backgroundbegleiter Jan Jakob, ebenfalls Singer/Songwriter und Gitarrist, der insgesamt sechs seiner eigenen Songs vorstellte. Beginnend mit dem Song „I buy a Porsche“, den Jakob seinem Idol Johnny Cash widmete, begann in stimmlicher Begleitung von Sobi ein zunächst heiteres Programm mit schnelleren Akkorden, aber zugleich auch ernsthaften Liedern. Eine markante Stimme, die in Kombination mit seiner Gitarre ihre volle Stärke erreichte. Und noch bevor das eigentliche Konzert begann, hatte Jakob es ohne lange Überredungskünste und mit seiner lockeren Art geschafft, die Anwesenden zum Mitsingen zu motivieren: „Bababa back home, bababa back home, lalala – let´s go!“ So gab er zu guter Letzt noch Preis, dass ein Großteil seiner Texte, wie „Beifahrersitz“, auf Fahrten im Metronom zwischen Göttingen und Hannover entstanden seien.

Nach einem so heiteren Auftakt durfte es dann auch ernster werden. So wurden die Rollen wieder getauscht und Sobi wechselte von der Begleiterin in die Hauptrolle: in Madrid geboren, in London aufgewachsen und, wie sie offenbarte, der Liebe wegen nach Hannover gekommen. Ihre Stimme ist facettenreich, geprägt von Leichtigkeit in den Höhen und warmer Schwermut in den Tiefen, mit leichtem Beben – perfekt für die intensive Melancholie in ihren Liedern, die sie, wie „missing you“, teilweise alleine mit Gitarre sang, ansonsten aber in Begleitung von Jan Jakob sowie am Emanuel Nicolas am Schlagwerk und Jake Stentiford an der Bassgitarre.

Aus ihren Liedern, die überwiegend von den Höhen und Tiefen des Lebens und ihren eigenen Erfahrungen handeln, klingt durchlebter Schmerz, man möchte einfach dasitzen und ihr zuhören. Sie lässt tief blicken, gibt Persönliches Preis, singt über Begegnungen und Beziehungen. Doch aus der Melancholie führt der Weg im richtigen Moment wieder nach oben, durch hoffnungsvolle, ruhige Fahrwasser an sichere Ufer zurück und hinein in tragende Beziehungen, wie ihr Lied über Freundschaft „I´ll run with you“ und ermutigende Aussagen wie „embrace your imperfections“. Zum Schluss einer ihrer bekanntesten Songs „Crawling“, mit eindrücklichen drum beats.

Und trotz aller Schwermut kamen auch Dynamik und Rhythmus nicht zu kurz, eine fein ausgewogene Zusammenstellung ihrer Lieder vom Album „Biting back“ (2016) sorgte sowohl für ernste als auch heitere Stimmung, was sich an diesem Abend durch das Mitsingen, Mitklatschen und Mitschnipsen des Publikum zeigte. Gewürdigt wurde ihr Auftritt mit langem Applaus und Pfiffen der Begeisterung, welche das ganze Zugabenrepertoire forderten, inklusive einer hervorragenden Acapella-Einlage, nach der die Anwesenden Sobi und Band, wenn auch nur äußerst ungern, von der Bühne gehen lassen mussten.

 

Kommentare powered by CComment

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Lieber Gast,
vielen Dank für Ihr Interesse an den Seiten des Kulturbüro Göttingen. Die Erstellung von Terminen und Texten kostet Geld - denn es sind Menschen, die diese Termine erfassen oder die Texte schreiben. Deshalb bitten wir Sie, entweder ein Abonnement abzuschließen oder für diesen einzelnen Beitrag einen Betrag zu bezahlen.
Vielen Dank!

Figurentheatertage

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok