Aulakonzerte

50 Jahre Göttinger Kammermusikgesellschaft

Carolina Ullrich und Katharina Troe in der Universitätsaula

300 Konzerte in 50 Jahren, sechs Konzerte pro Jahr –  das ist die Leistung der Göttinger Kammermusikgesellschaft, die seit ihrer Gründung im Jahr 1968 viele hochkarätige Konzerte veranstaltete. Zum Abschluss dieser Saison näherte sich mit dem 300. Konzert ein besonderes Jubiläum, das mit dem renommierten, vielfach ausgezeichneten Hyperion Trio gefeiert wurde.

Die Stimmung an diesem warmen Frühlingsabend hätte wahrlich nicht passender sein können, als das Hyperion Trio (Oliver Kipp, Violine; Katharina Troe, Violoncello; Hagen Schwarzrock, Klavier) das erste Stück des Abends anstimmte. Schon der Einstieg in die Variationen über ein Thema von Robert Schumann von Iwan Knorr (1853-1916) machte deutlich, dass man es hier mit einem Trio der Spitzenklasse zu tun hat: Die aufeinander abgestimmten MusikerInnen präsentierten das Thema mit einer hörbaren Leichtigkeit und ließen einander viele Freiräume für die Ausschmückung der Melodien, die mit ersichtlichem Genuss erfolgte. Und als die Sonne den Himmel über Göttingen in ein stimmungsvolles Orange tauchte, konnte man sich nur allzu gut vorstellen, was den Komponisten bei der Verhandlung des romantischen Leitmotivs inspiriert haben mag, denn den Variationen wohnt eine große Spannbreite der tragenden Emotionen der Romantik inne.

Wer schon der Violinistin Carolin Widmann in dieser Saison lauschte, dem mag die Melodie der Kunstlieder Regenlied und Nachklang von Johannes Brahms (1833-1897) noch im Hinterkopf geblieben sein. Richtig, sie haben exakt die gleiche Melodie wie der letzte Satz der Regenlied-Sonate! Nun sind die vier Lieder, die von Carolina Ullrich und Hagen Schwarzrock präsentiert wurden, auch dem Regenliedzyklus zugehörig. Mit großer Emotionalität und stimmlicher Brillanz trug die Sopranistin, die ihre Opernausbildung nicht verleugnen kann, die Lieder vor. Unterstützt wurde sie durch den stets emphatisch agierenden Pianisten – und durch das Zwitschern der Vögel, das durch die Fenster brach und die Vertonung der Gedichte von Klaus Groth stimmungsvoll untermalte.

Nach der Pause kamen die ZuhörerInnen in den Genuss der Lieder des Altonaer Komponisten Felix Woyrsch (1860-1944), nun auch unterstützt durch Violine und Violoncello. Die Dramatik und Vielfalt der Stimme Ullrichs kam hier noch besser zur Geltung als bei den Liedern Brahms’ und durch die einleitenden Partien der Streicher, die mit einer hohen romantischen Intensität dargelegt wurden, erhielten die Lieder ein ganz besonderes Kolorit, voller Sehnsucht und innerlich zerrissenen, wunderschönen Melodien.

Das große Finale des Konzerts war ohne Zweifel das Klavierquartett c-Moll op. 60 von Brahms, der zum krönenden Abschluss der Reihe „Geliebter Brahms“ nicht besser hätte geehrt werden können. Hierfür kam der Bratschist Felix Schwartz auf die Bühne – schon im Laufe des ersten Satzes konnte ob des intensiven Hörgenusses fast anzunehmen sein, dass es sich hier um das Hyperion Quartett handelt, so reibungslos harmonierten die vier MusikerInnen auf der Bühne. Dabei ist diese Komposition alles andere als leicht gemeinsam zu interpretieren. Typisch Brahms, beginnt schon der erste Satz atmosphärisch dicht und schwermütig, und wie schon bei den Stücken zuvor passte die Stimmung außerhalb der Aula perfekt zur Musik: Nun, als es dramatisch und aufwühlend wurde, war es draußen dunkel. Die düstere Stimmung wird jedoch immer wieder aufgebrochen, diese emotionalen Spannungen wurden von dem Quartett in hoher Präzision und Leidenschaft ausgespielt. Vor allem die melancholische Einführung des Cellos in den langsamen dritten Satz gingen gut ins Ohr und klangen auch nach dem umfassend gelungenen Konzertabend noch eine lange Weile nach.

Aber allzu düster wollten die MusikerInnen das Konzert dann doch nicht ausklingen lassen, wie Katharina Troe dem begeisterten Publikum die Zugabe nach langem Applaus ankündigte. Und so endete der Abend mit dem Andante cantabile aus dem Klavierquartett Es-Dur op. 47 von Robert Schumann, einem Schmankerl, das mit einer besänftigenden Seite der Epoche in den warmen Abend entließ.

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