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Junges Theater

Die Mitglieder des „Ausreißer-Clubs“ auf der Bühne im Jungen Theater

Es gibt viele beliebte, berühmte Personen, die homosexuell sind. Schauspieler wie Neil Patrick Harries, Sänger wie Elton John, Talkshow-Moderatoren wie Graham Norton. In vielen Filmen und Serien der Gegenwart werden Schwule nicht stigmatisiert, sondern positiv besetzt. Diese Darstellungen beflügeln das Denken in der Gesellschaft, dass es darum geht, den Charakter der Person zu bewerten und nicht ihre sexuelle Orientierung. Doch obwohl vielleicht eines unserer Idole homosexuell ist, sollten wir uns fragen, ob wir unseren Freund oder ein Familienmitglied mit denselben Augen sehen, wenn er sich outet.

Der Schüler Ole hält in seiner Klasse einen Vortrag über Homophobie. Er hat noch keine Minute gesprochen, da entbrennt eine hitzige Diskussion in der Klasse, warum man so ein Thema überhaupt bearbeiten sollte. Eine sich anbahnende Schlägerei zwischen Ole und seinem Kollegen Kasper beendet den Vortrag. Ole selbst ist schwul. Jeder ahnt es, sein bester Freund Benni ist der einzige, der es weiß. Mit ihm kann er offen über all die Fragen reden, mit denen er sich konfrontiert sieht, zum Beispiel, ob er es seinen Eltern sagen soll. Nach der Schule gerät Ole in die Fänge einer homophoben Gruppe, die ihn krankenhausreif schlägt. Sein Freund Benni hält seiner statt den Vortrag noch einmal. Diesmal hören alle zu. Es ist ein Appell, dass sich die Welt verbessern muss in der Akzeptanz von Homosexualität.

Dieses Szenario ist das Resultat der Auseinandersetzung einer Gruppe von 14-17-Jährigen mit dem Thema Homosexualität. Der „Ausreißerclub“ ist ein Theaterworkshop, geleitet von Peter Christoph Schönberg. In einem nicht vorgefestigten, kreativen Prozess erbauen die Jugendlichen selbst ein Theaterstück und führen es im Jungen Theater auf. Das Resultat dieser Produktion war „Coming Out“. Mit einer reifen Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit, spannte das Stück die Zuschauer in die entscheidende Frage ein: können wir jemandem, der das gleiche Geschlecht liebt, mit derselben Achtung und Wertschätzung begegnen wie einem Heterosexuellen? Die jungen Akteure überzeugten mit solider schauspielerischer Leistung und ehrlichem, reifem Engagement. Das Bühnenbild war in seiner Einfachheit bestechend eindrucksvoll. Es gab nur zwei Farben auf der Bühne: schwarz und weiß – ein vielschichtiges Symbol deutbar als Ausdruck des Schwarz-Weiß-Denkens der Menschen oder der Gespaltenheit in diesem Thema.

Das Stück gipfelte in dem Vortrag von Ole, den sein Freund Benni für ihn hält. Er begann etwas nüchtern, in der leicht flachen Authentizität eines Schülerreferats, mit einer Aufzählung aller Staaten, die Homosexualität nach wie vor als Straftat ahnden. Doch dann steigerte er sich in eine emotionale Kritik an den Versäumnissen von Politik und Gesellschaft, gleichgeschlechtlicher Liebe mit der gleichen Würde und den gleichen Rechten zu begegnen. Diese Botschaft genau von der Altersgruppe zu hören, die ihre Sexualität vorurteilsfrei entfalten sollte können, machte diesen Appell besonders stimmig.

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