Max Goldt

Der in Göttingen geborene Schriftsteller Max Goldt war für eine Lesung einer Auswahl seines Werks zu Gast im Deutschen Theater

Der Sprachkünstler Max Goldt hat laut eigener Aussage bereits vor 20 Jahren die Unfähigkeit aus seiner Intelligenz einen anderen Nutzen zu ziehen, als bloße Überlegenheitsgefühle, abgelegt und sorgt durch seine eigensinnige, scheinbar sämtliche Facetten dieser verwirrenden Welt durchdringende Sichtweise zu Recht für Begeisterung.

So auch am gestrigen Abend im nicht ganz ausverkauften Deutschen Theater, in welchem er eine Auswahl überwiegend neuer Texte aus seiner Feder vorstellte. Grundlage hierfür war vor allem Goldts letzte Buchveröffentlichung Lippen abwischen und lächeln, in welcher neben den prachtvollsten Texten aus den Jahren 2003-2014 auch einige aus den 90ern enthalten sind. Thematisch war Goldts Auswahl, wie für ihn typisch, breit gefächert. Beim freien Assoziieren macht dem Mann niemand etwas vor. Ob bei Überlegungen zum Sinn und Unsinn alltäglicher Gebrauchsgegenstände, humorvoll überspitzten Persiflagen auf die neusten Trends, Betrachtungen über die Kontingenz kulturell konstruierter Identitäten oder selbstironischen Reflexionen, Goldt gelingt es stets, originelle Blicke auf die Welt und das Leben zu werfen und führt den Menschen mit jedem seiner, in kunstvoll spielerischer Sprache verfassten, Texte die Absurdität des Alltags vor Augen. Halb im Scherz, halb im Ernst bezeichnete sich Goldt in einem fiktiven Interview als philanthropischer Kulturpessimist und wird dieser paradox scheinenden Selbstaussage durch seine oft spöttischen, aber dennoch wohlmeinenden Texte mehr als gerecht.

Beim bunt gemischten Publikum stieß diese Mischung auf viel Anklang. Goldt gelingt es generationsübergreifend für Begeisterung zu sorgen. Ohne ein entsprechendes Bildungsniveau bleibt der Zugang zu Goldts Werk jedoch weitgehend versperrt. Der Versuch, möglichst viele Facetten der Realität in seinem Werk zu erforschen und damit eine Vielzahl an Menschen anzusprechen, ist jedoch klar erkennbar. Diese Herangehensweise verdient Respekt, nicht zuletzt dadurch, dass sie dazu ermuntert, die Welt ernst und kritisch, aber nicht ohne eine gesunde Portion Humor zu sehen. Eine Gefahr bei Goldts Ansatz besteht darin, sich in bloßen Banalitäten zu verlieren. Dies geschieht in seinen Texten dank dem hohen Maß an Originalität glücklicherweise nur selten, allerdings zeigten manche der vorgestellten Texte den Sprachkünstler nicht ganz auf der Höhe seines kreativen Potentials. Der Abend war zwar überwiegend vom Lachen des Publikums begleitet, jedoch hätte eine bessere Auswahl der Texte sicherlich für noch mehr Begeisterung gesorgt. Alles in allem bot der Abend trotzdem reichlich Amüsantes und machte Lust auf mehr aus dem unerschöpflich scheinenden Ideenreichtum des stets emsig arbeitenden Schriftstellers.

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