Adrian Würsch und Takanari Koyama mit dem Göttinger Symphonie Orchester

Eine interessante und auf den ersten Blick ungewöhnliche Mischung erwartete das Auditorium im Deutschen Theater unter dem Titel „Perspektive Schweiz“ unter der Leitung des aus der Schweiz stammenden Christoph-Mathias Mueller: Orchester trifft Schwyzerörgeli, ein traditionelles Schweizer Instrument, verwandt mit dem Akkordeon, jedoch anders in der Bauweise, das in Kombination mit dem Orchester zur innovativen Klangkunst wurde. Den Abend prägte eine hervorragende Mischung aus „Schweizer Melancholie“ (Mueller), aber auch frischen wie humorvollen Klängen, die zur Faszination und Begeisterung des Publikums beitrugen.

Den Auftakt machte das Orchester mit „Hiver – Printemps“ von Ernest Bloch, zwei symphonischen Poemen, von denen Ersteres von eher dunklen Klängen geprägt ist oder wie Mueller beschrieb, ähnlich dem Nebel auf den Schweizer Seen. Prägnant hier als Kontrast die hohen, schneidenden Töne der Geigen, die auf eine leise Passage von Streicherstakkati folgten. Im zweiten Satz hingegen wurde es heiter, nahezu fließend und sprühend wirkten die vollen Klänge des Orchesters, das mit voller Kraft ins Dramatische überleitete und schließlich in einen atemberaubenden Höhepunkt gipfelte. Sehr stark der Einsatz der Harfen und schließlich ein ruhiger Ausklang mit Flöte, Oboe und Blasinstrumenten.

Zu etwas Besonderem wurde das Konzert durch ein junges Talent, Adrian Würsch, der nicht nur durch sein kunstvolles Spiel auf dem Schwyzerörgeli faszinierte, sondern zugleich eine Einführung in das Spiel und in die Klangvielfalt dieses komplexen Instruments gab. Im Werk „Walstätten-Schottisch“ von Josef Stump brachte er im harmonischen Zusammenspiel mit dem Göttinger Symphonie Orchester sein außergewöhnliches Talent mit Fingerfertigkeit und Präzision zu Ausdruck. Eine hervorragende Klangvielfalt mit einem vom Orchester zunächst alleine gespielten, eher dramatischen Beginn, der durch den Einsatz des Schwyzerörgeli plötzlich eine heitere Komponente hinzugewann. Im Anschluss erneut ein Werk mit eher dramatischen Elementen: „Alp Rabautz“ von Markus Flückiger, zwischendurch mit erkennbar traditionellen schweizerischen Klängen, schön umgesetzt und im Anschluss folgend eine wunderbare mehrstimmige Geigensequenz und dem Schwyzerörgelisolo in Begleitung vom Pizzicato der Streicher. Präsent war eine besonders anmutende Leichtigkeit, raffiniert gespielt und das Örgeli hervorragend in Szene gesetzt. An diesem Abend war auch Felix Mendelssohn vertreten, der sich musikalisch von zahlreichen Besuchen in der Schweiz hat inspirieren lassen. Unter anderem für seine Symphonie Nr. 9, eine seiner insgesamt 12 komponierten Symphonien für Streicher, mit einem hörbar versteckter instrumenteller Schweizer Jodler.

Mit seiner eigenen Komposition „Aufgang“ mit spürbarer Melancholie und Sehnsucht, begleitet vom Kontrabass-Pizzicato des GSO-Kontrabassisten Takanari Koyama, zog Adrian Würsch erneut die Blicke und die stille Faszination sowohl des Publikums als auch des Orchesters auf sich. Ruhig blieb es zunächst auch bei Arthur Honeggers „Pastorale d´été“, mit einer zarten Flötenmelodie in sonst eher monoton gehaltener Tonlage, sich steigernd in eine idyllische Passage mit Klarinette und Flöte und das schließlich in einen harmonischen Teil mit starkem Wechsel von melodisch zu schwungvoll überging. Eine brillante Mischung aus idyllisch und dynamisch, mit einem Hauch Melancholie. Atmosphärisch wurde es vor allem auch durch Edward Staempfli und seinem „Präludium und Variationen über ein Tessiner Volkslied“ – bei dem immer wieder eindringliche und melodische Elemente im Wechsel folgten sowie ein stets wiederkehrendes, anrührendes Trompeten-Thema, nicht zu vergessen die erkennbar humorvolle Note.

Seinen atmosphärischen Abschluss fand der Abend mit dem „Concerto für Oboe“, das von Arthur Benjamin aus verschiedenen Klavierkonzerten des Komponisten Domenico Cimarosa in ein Arrangement für Oboe und Streichorchester umgewandelt wurde. An diesem Abend standen in diesem Stück aber weder Klavier noch Oboe im Mittelpunkt, sondern erneut das Schwyzerörgeli, das dem Werk mit sehr gelungener Umsetzung durch das Orchester eine innovative Note verlieh. Durch die verschiedenen Sätze zog sich eine erneute Mischung aus Melancholie und sehnsüchtigen Elementen, kraftvoll mit humorvoller Leichtigkeit und fröhlicher Komponente. Auflebend und spielerisch raffiniert durch ein stetes Auf und Ab der Lautstärken, belohnt mit tosendem Applaus und begeisterten Fußtrampeln, was eine Zugabe des Solisten forderte, die aus dem eigenen Arrangement seiner Abschlussprüfung in der Musikschule bestand. Ein Konzert, in dem sich sowohl Orchester, Dirigent und Solist ganz in ihrem Element zeigten.

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