Was sind die drei wichtigsten Nutztiere in Deutschland? Rind, Schwein und ... hm ... Hühner vielleicht? Nein, auf dem dritten Platz landet die unscheinbare Biene. Die westliche Honigbiene nimmt wegen ihrer Arbeit als Blütenbestäuber eine essentielle Rolle in der Nahrungsmittelerzeugung ein. Die Biene steigert bei vielen Obstarten den Fruchtertrag und verbessert die Qualität der Früchte im Vergleich oder erlaubt manchen Arten überhaupt erst Früchte zu tragen. Der wirtschaftliche Wert der Bienen beziffert sich im Milliardenbereich. Bei den Bienen geht es längst nicht mehr nur um Honig.

„More than Honey“ ist der Titel des preisgekrönten Dokumentarfilms des Schweizers Markus Imhoof. Es ist ein bildgewaltiger und emotional aufgeladener Film. Mit sichtbar hohem, technischem Aufwand gestaltet er ein Portrait von Bienen und ihren Züchtern. Zu Beginn stellt er einen Schweizer Kleinimker vor, der zu seiner Wildbiene hält. Am anderen Spektrum steht der industrielle Großimker aus den USA. Dieser karrt seine Bienen durch ganz Nordamerika. Im Frühling bestäuben sie die Mandelbäume in Kalifornien und im Herbst die Blumen von North Dakota. Beide Imker haben etwas gemeinsam. Ihnen sterben die Bienenvölker. Schädlinge wie die Varroamilbe befallen die Völker und löschen sie aus. Was würde passieren, wenn alle Bienen sterben? Das soll die Episode in China andeuten, wo der massenhafte Einsatz von Chemikalien die Bienenpopulation dramatisch dezimiert hat. Tausende Wanderarbeiter müssen Blüten per Hand bestäuben. Droht uns dieses Szenario?

Anschließend an den Film gab es eine Diskussion geleitet von Dr. Gert Tröster vom zoologischen Museum. Er und ein beruflicher Imker gaben Antwort auf offene Fragen des Publikums. Es wurde schnell klar, dass der Film übertreibt und ein viel zu düsteres Bild zeichnet. Das Bienensterben findet keineswegs in biblischem Ausmaße statt. China beispielsweise ist nicht wie im Film gezeigt ein No-bee-land sondern Heimat für Millionen Bienenvölker und weltweit größter Exporteur von Bienenprodukten. Die Biene ist kein filigranes Geschöpf, sondern ein erstaunlich robustes und anpassungsfähiges Insekt, das auf absehbare Zeit nicht vom Erdboden verschwinden wird. Stattdessen sind andere Bestäuber (z.B. Schmetterlinge) viel stärker durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln betroffen, bekommen aber weniger Aufmerksamkeit.

Curator’s cut ist eine Serie im Kino Lumiere, bei der Kustodinnen und Kustoden der Göttinger Sammlungen Filme zeigen. Mit „More than Honey“ stand ein polarisierener Film über Bienen am Program, der die Biene vom Honigproduzenten zum Nahrungsproduzenten erhebt. Zwei Termine dieser Reihe gibt es noch und wenn diese genauso lehrreich sind, sollte man sie unbedingt besuchen.

 

 

Montag, 16. April 2018
Die Ahnen der Saurier, 2005
Dr. Alexander Gehler, Geowissenschaftliches Museum

Montag, 14. Mai 2018
Jogo de Corpo – Body Games, 2014
Dr. Klaus-Peter Brenner, Musikinstrumentensammlung

 

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