Die Göttinger Stadtkantorei mit Solisten und dem Göttinger Symphonie Orchester in der Johanniskirche

Die Göttinger Stadtkantorei konzertierte mit der Messe in C-Dur und dem Oratorium Christus am Ölberg in der Göttinger Johanniskirche

Es begann wunderschön. Das klar platzierte Kyrie öffnete sich erwartungsfreudig in den Raum und wärmte den Zuschauern gleich zu Beginn die Ohren an diesem kalten Sonntagabend. Die Göttinger Stadtkantorei legte sich für die Messe in C-Dur von Beethoven ordentlich ins Zeug. Mit voluminösem, wuchtigem, satten Klang und perfekter Intonation passte sich der Chor dem jubelnden Charakter dieses Werkes an. Obwohl dieser pompöse Klang beispielsweise dem Gloria und dem Credo eine fesselnde Energie verlieh, so verdarb er die sanften Passagen und rückte sie ins Lieblose, fast schon Rohe. Die Solisten wirkten beim Sologesang schmächtig im Vergleich zum lauten Chor. Erst im Duett oder Quartett addierten sie sich zu gewichtigeren Tönen. Dementsprechend war das Quartett im Gloria eine der schönsten Stellen. Sopran (Danuta Dulska), Alt (Katrin Edelmann), Tenor (Sebastian Köchig) und Bass (Jürgen Orelly) harmonierten wettbewerbsfrei und ergänzten sich wunderbar. In diesem Sinne hätte der Dirigent Bernd Eberhardt den Chor phasenweise etwas zügeln sollen, um eine besser balancierte Aufführung mit feiner herausgearbeiteten Höhepunkten zu gestalten. 

Im zweiten Teil des Konzerts bot das Ensemble das Oratorium Christus am Ölberge dar. In diesem Werk konnte das Göttinger Symphonie Orchester seine Hintergrundrolle aus der Messe ablegen und seine Klasse stärker in den Fokus bringen. Vor allem die Holzbläser konnten mit ihren melodischen Umspielungen der Gesangsstimmen glänzen. Das Werk ist dominiert vom Tenorgesang Jesu. Nun versteht man auch, warum sich Sebastian Köchig bei der Messe etwas zurückgehalten hat. Die sehr langen Solopassagen erforderten ausgereiftes, technisches Können und Ausdauer. Es klang herrlich und bewegend bis zum letzten Ton. Der Sopran in der Rolle des Engels ergänzte den Tenor. Danuta Dulska stand ihrem männlichen Kollegen in Technik und emotionalem Pathos um nichts nach. Der Bass von Jürgen Orelly konnte dazu als wütender Petrus mit seiner kraftvollen Stimme glänzen. Der Chor vervollständigte als Chor der Krieger, der Jünger und der Engel die Gesangspassagen. Besonders die Männerstimmen erreichten eine fühlbar packende Dramatik. Dieses Werk hatte mehr zu bieten als die Messe.

Beide Werke Beethovens sind eher unbekannt und werden seltener aufgeführt. Es sind schwierige Werke, die erst bei voller Konzentration und genauer Abstimmung aller Beteiligten ihre ganze Schönheit entfalten. Obwohl Chor, Orchester und Solisten für sich genommen großes Können und Leidenschaft gezeigt haben, fehlte an manchen Stellen die ganzheitliche Harmonie. 

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