Axel Hacke auf der Bühne des Deutschen Theaters in Göttingen

Auf der Bühne des Deutschen Theaters stehen: ein einfacher Holzstuhl mit verzierter Rückenlehne und ein kleiner Beistelltisch. 19:45 Uhr: der Schriftsteller und Kolumnist Axel Hacke betritt lässig die Bühne, unter seinem Arm trägt er einen Stapel mit Büchern, seinen Büchern. Auf sie zeigend verkündet er: „Wir fangen an – und zwar oben!“

Bereits nach einem Satz hat er die Lacher des Publikums auf seiner Seite, was sich den ganzen Abend über nicht mehr ändern soll. Axel Hacke, bekannt durch seine beliebten Kolumnen im Süddeutsche Zeitung Magazin, präsentierte sich nicht nur in der Rolle des Vorlesers, sondern auch als hoch überzeugender Humorist und kunstvoller Wortjongleur, der es mit seinem authentischen Humor auf hohem Niveau schaffte, den fast ausverkauften Saal, dauerhaft zu herzhaftem und ausgelassenem Lachen zu bewegen. Den Anwesenden wurde eine einzigartige Mischung aus Lesung und Komödie geboten. Bereits der Titel der Lesung: „Axel Hacke liest“, ließ offen, um welche Texte und Bücher es an diesem Abend gehen würde. Axel Hacke ist bekannt für seine Spontaneität bei der Auswahl seiner vorzulesenden Texte. Und tatsächlich gab es keine Spur von inszenierter Veranstaltung, vielmehr handelte es sich um eine freie, aus seiner Improvisation heraus lebendig werdende Lesung mit hervorragender Atmosphäre.

So stellte Hacke den Anwesenden nicht nur seinen langjährigen Freund und Kühlschrank „Bosch“ vor, sondern offenbarte ihnen diverse Alltagssituationen aus seinem eigenen Leben. Brillant vor allem die verbal sehr überzeugend und äußerst witzigen Dialoge zwischen Hacke und seinem Sohn auf den morgendlichen Autofahrten in den Kindergarten; oder die Schilderungen von Hackes vergeblichen und letztlich verzweifelten Versuchen, auf Wunsch seiner Frau, eine Seilzugvorrichtung für einen Vorhang im Schlafzimmer mit „Superspezialgips“ und „Superdübeln“ anzubringen, was sich als lebensgefährlicher Einsatz entpuppte. Nicht zu vergessen die Kommunikation zwischen Ehepartnern, dem sogenannten „Partnerschaftspassiv: eine in vielen Beziehungen sehr alltägliche Art, zu sprechen, wenn es um Dinge geht, die unbedingt getan werden müssen, die man selbst aber um keinen Preis der Welt tun möchte“; und schließlich der Umgang mit Christbaumkugeln, die auch in der „Nachweihnachtszeit“ im August noch nicht ihren Weg vom Wohnzimmerschrank in den Keller gefunden haben. Hervorragend war außerdem die Anekdote darüber, wie Hacke nach einer Kolumne über lustige und nahezu poetische Übersetzungen von fremdsprachigen Speisekarten ins Deutsche sowie den danach einsetzenden, noch bis heute anhaltenden Zustrom an Speisekarten von Lesern, in den Besitz einer der größten Sammlungen dieser Art gekommen ist. So wurde eine italienische Tintenfischspeise in der deutschen Übersetzung zu einem Gericht, in dem „kleine Kopffüßler ertranken“. „Verhörer“ dieser Art fanden sich auch in den darauffolgenden Leseauszügen aus „Oberst Helm spricht zu Tisch“ oder auch aus  der „Wumbaba-Trilogie“.

Ein abwechslungsreiches Programm, in dem aber nicht nur amüsante Themen Raum fanden, sondern auch ernsthaftes nicht zu kurz kam, wie insbesondere an einem Auszug aus seinem neuesten Buch über ein immer aktuell bleibendes Thema deutlich wurde: „Über den Anstand in schwierigen Zeiten, und wie wir miteinander umgehen“. Im Mittelpunkt steht hier die Frage, „was ist Anstand oder was könnte es sein“, an deren Beantwortung  sich Hacke mit der Schilderung aktueller Anlässe und Ereignisse heranwagt. Verabschiedet wurde das Publikum noch mit einem weiteren Auszug auf der „Wumbaba-Trilogie“, nämlich einer Reihe falsch verstandener Liedtexte, die den Abend gebührend abschlossen.

21:45 Uhr: Axel Hacke verlässt nach tosendem Applaus und einer Zugabe mit einem zufriedenen Lächeln die Bühne – zurück bleibt ein ebenso zufrieden wirkendes und begeistertes Publikum, das nun vom Lachen erwärmt, den Heimweg in die Kälte antreten kann.

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