Das Bartholdy-Quintett zu Gast in der Göttinger Universitätsaula

„Geliebter Brahms“ lautet das Motto der diesjährigen Aulakonzerte. So passte es gut, dass das eingeladene Bartholdy Quintett Kammermusik von Alexander Zemlinsky auf das Programm gesetzt hat. Seit einiger Zeit werden Zemlinkskys Werke neu entdeckt, auch in Göttingen steht der Komponist vermehrt auf den Spielplänen. Zemlinsky integrierte Stilelemente von Brahms und Wagner in seiner Musik. Er war Impulsgeber für die Entwicklung der Schönberg-Schule, konnte sich selbst aber nie zur Atonalität entschließen. Beim vierten Aulakonzert der Göttinger Kammermusikgesellschaft stand sein nur in zwei Sätzen erhaltenes Streichquintett aus dem Jahren 1894/96 auf dem Programm. Da war der 1942 gestorbene Zemlinksy gerade 23 Jahre alt.

Das seit dem Jahr 2009 in fester Besetzung spielende Bartholdy Quintett hat mit dieser Musik vor Kurzem eine CD eingespielt. Beim Spielen merkt man schnell die Vertrautheit der Musiker untereinander und mit der Musik. So konnten sich die harmonischen Rückungen, die Vorhalte, die Dynamik in Zemlinskys Musik wunderbar entfalten.

Das setzte sich bei dem Quintett F-Dur op. 88 von Johannes Brahms fort: konturenscharf gestalteten Ulf Schneider und Anke Dill (Violine), Volker Jacobsen und Barbara Westphal (Viola) sowie Gustav Rivinius (Violoncello) die im Jahr 1882 entstandene Musik. Ohne übertriebenen romantischen Gestus, aber immer mit großer Leidenschaft zeigten sie die durchaus heitere Grundstimmung des Werkes auf. Von der lyrischen Gestaltung bis hin zu energischen Einsätzen zum Beispiel im Fugenthema des letzten Satzes zeigte das Quintett eine enorme Bandbreite in der Gestaltung. Schon zur Pause hagelte es donnernden Applaus.

Anschließend stand ein Werk von symphonischen Ausmaßen auf dem Programm: Das Quintett in F-Dur von Anton Bruckner. Kammermusik von Anton Bruckner? Geht Bruckner überhaupt ohne Blechbläser? Allerdings geht das! Es war geradezu aufregend, wie das Bartholdy Quartett die Struktur dieses Werkes herausgearbeitet hat. Große Bögen erklangen, die Themenköpfe in den einzelnen Instrumenten waren klar erkennbar, ein großer dynamischer Umfang hielt die Spannung aufrecht – das war Kammermusik auf höchstem Niveau.

In der gut besuchten Aula der Universität blieb das nicht verborgen – ausdauernd forderte das Publikum eine Zugabe ein. Und die kam: der zweite Satz dieses Werkes wurde von Bruckner neu komponiert, weil die ursprüngliche Komposition „zu schwer“ abgelehnt wurde. Und genau diese Fassung spielte das Bartholdy Quartett als Zugabe – mit einer wunderbaren Leichtigkeit.

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