Piero Lombardi dirigierte die Akademische Orchestervereinigung Göttingen

Die AOV feierte mit ihrem neuen Dirigenten Piero Lombardi ihren Einstand mit einem gelungenen Konzert

Mit diesem Konzert feierte Piero Lombardi seinen Einstand als künstlerischen Leiter der Akademischen Orchestervereinigung Göttingen (AOV). In der Göttinger Stadthalle präsentierte er im ersten Teil Werke, die eher selten im Konzertsaal zu hören sind, nach der Pause gab es einen Klassiker zu hören. Um es vorweg zu nehmen: der Einstand war mehr als gelungen!

Die „Norwegischen Tänze“ komponierte Edvard Grieg für Klavier zu vier Händen. Die Orchesterfassung richtete Hans Sitt zehn Jahre später im Jahr 1891 ein – im Auftrag des Notenverlags und gegen den Willen von Grieg. Dabei ist diese Fassung, die heutzutage meistens gespielt wird, durchaus spannend: die von dem norwegischen Komponisten verwendeten Originalmelodien von Volksliedern sind von Sitt nicht nur gut orchestriert, sondern von der AOV auch hervorragend wiedergegeben. Verantwortlich dafür ist Piero Lombardi, der für einen sehr durchsichtigen Orchesterklang sorgte. Immer wieder nahm er einzelne Instrumentengruppen zurück und trieb andere zu markanten Einsätzen an. Dies zog sich durchaus durch den ganzen Abend. Bei den „Norwegischen Tänzen“ verdiente sich Wolfgang Glatzel an der Oboe ein Sonderlob für seine solistischen Leistungen.

Diese gab es auch im zweiten Werk zu bewundern: der junge rumänische Geiger Vlad Stănculeasa spielte „Tzigane“ von Maurice Ravel. Obwohl das Werk nur zehn Minuten dauert, beeindruckte das Spiel Stănculeasas gewaltig. Denn die technischen Anforderungen sind enorm: ist der erste Teil des Stückes für Violine Solo mit vielfältigen Improvisationsmöglichkeiten versehen, ist der zweite Teil vom Orchester begleitet. Und in diesem ersten Teil mutet Ravel dem Solisten allerhand zu: die gesamte Einleitung ist nur auf einer Saite (der G-Saite) zu spielen und erreicht schwindelerregende Höhen. Im gesamten Stück sind verschiedene Techniken gefordert wie Flageolett, Glissando, Doppelgriffe und anderes mehr. Vlad Stănculeasa, zur Zeit Konzertmeister in Göteborg, meisterte diese Anforderungen spielend und zauberte die Klischee-Klänge über Zigeunermelodien seiner rumänischen Heimat meisterlich. Auch seine Zugabe hatte es in sich: die „Impressions d'enfance“ von George Enescu.

Nach der Pause stand „Die Große C-Dur-Sinfonie“ von Franz Schubert auf dem Programm. Und auch hier bewies Piero Lombardi großes Geschick in der Leitung seines neuen Orchesters, das ja aus Laien besteht. Neben den großartigen Einzelleistungen (zum Beispiel bei den Hörnern oder den Flöten) ist vor allem der nuancenreiche Orchesterklang bemerkenswert. Trotz des doch immens großen Apparats (27 Geigen, 14 Bratschen, 10 Celli, 4 Kontrabässe) klang die Musik niemals fett oder unbeweglich. Immer wieder gab Lombardi den Stimmgruppen Raum zur Entfaltung – immer im Dienst der Musik. So konnte sich Schuberts Musik packend präsentieren: mal zart und sinnlich, mal mächtig und kraftvoll – und immer dynamisch differenziert.

Das Publikum in der gut besuchten Göttinger Stadthalle genoss den Abend und entließ die Musikerinnen und Musiker erst nach langanhaltendem Applaus.

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