Die Sonderausstellung im Städtischen Museum „1529 – Aufruhr und Umbruch“ wurde bis zum Februar verlängert. So ist noch ausreichend Gelegenheit, die Ausstellung zu besuchen. Christiane Goos hat dies für das Kulturbüro bereits getan.

Das Jahr 2017 stand ganz im Zeichen von Martin Luther und der Reformation. In den Buchhandlungen sind zahlreiche Bücher zu diesem Thema anzutreffen und auch das sonstige Angebot ist äußerst vielfältig und reicht von Tassen, Taschen, Schlüsselanhängern bis hin zur Martin Luther Playmobil Figur. Ebenso reichhaltig gestaltete sich das bisherige Veranstaltungsangebot  in Göttingen mit Konzerten und Vortragsreihen. Ein besonderer Beitrag wurde im Städtischen Museum geleistet – die Konzeption der Sonderausstellung mit dem Titel „1529 – Aufruhr und Umbruch“. „Besonders“ deshalb, weil nicht nur Martin Luther im Mittelpunkt steht, sondern vielmehr die Frage, wann die Reformation in Göttingen Einzug hielt und wie sie sich auswirkte. Eine interessante Perspektive, die den Besuchern durch ein gut durchdachtes Ausstellungsangebot nähergebracht wird.

Die schönen Räumlichkeiten des Städtischen Museums werden auf zwei Ebenen in 12 Räumen optimal genutzt, teilweise eingebettet in die Dauerausstellung zur Kirchenkunst. Beginnend im Foyer werden in einem ersten Abschnitt mit dem Titel „Was bisher geschah“, die chronologischen Ereignisse ab der ersten Kunde von Luthers Thesen bis zur Einführung der Reformation in Göttingen gezeigt, die einem zweiten Abschnitt, ab 1529, im Mittelpunkt steht. Schwerpunkt ist hier insbesondere die Bittprozession vom 24. August 1529 gegen eine gefürchtete Seuche, den „Englischen Schweiß“, die zur Einführung der Reformation beitrug. Im Verlauf dieses Umzugs sangen Gegner und Befürworter der Reformation, die Gruppe um die Handwerkergilde der "Neuen Wollenweber", den 130. Psalm, das „Te Deum“, auf Latein und in Luthers neuer deutscher Übersetzung gegeneinander. Zugleich werden die Widerstände gegen die Reformation thematisiert, ebenso die konfessionellen, politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Göttinger Stadtleben. Mithilfe der genauen Darstellung der damaligen Prozessionsroute und den Geschehnissen an den einzelnen Stationen wird die Bedeutung des Umzuges für die Besucher nachvollziehbar. Erwähnung findet auch der Stadtchronist Franziskus Lubecus (1533-1595), dessen Aufzeichnungen eine wichtige Quellengrundlage für die damaligen Ereignisse bildet. Darüber hinaus wird auch die Rolle der Frau in der Reformation betrachtet, vertreten durch Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg-Calenberg-Göttingen (1510-1558). So wurden alle wichtigen Schwerpunkte sowie ergänzende Themen berücksichtigt, die sich zu einem stimmigen Bild der damaligen umbruchartigen Entwicklungen zusammensetzen.

Dem Besucher wird ein vielfältiges Ausstellungsprogramm angeboten, dass sowohl äußerlich als auch inhaltlich einer klaren Linie mit aussagekräftigen und gut verständlichen Texten folgt. Die Texte wirken zu keinem Zeitpunkt überfordernd, sondern sind ganz nach der wünschenswerten Ausstellungs-Devise „Weniger ist mehr“ gestaltet. Mediale Angebote wie Audiobeiträge zu unterschiedlichen Ereignissen sowie zu bestimmten Exponaten lockern die Informationsvermittlung zusätzlich auf, ergänzt durch eine Vielzahl erstmals und auch einmalig ausgestellter Exponate, wie die Prozessionsordnung und dem Vertrag der „Große Rezess“ vom 3. November 1529, der die offizielle Einführung der Reformation in Göttingen regelte und eine wichtige Quelle der damaligen Ereignisse darstellt. Die lockere und genau durchdachte Anordnung der einzelnen Stationen und Exponate unterstützt die gute Aufnahme des Informationsangebots, begleitet durch eine ansprechende Farbgestaltung. Sehr gelungen ist aber nicht nur die Ausstellung selbst, sondern ebenso das vielfältige Begleitprogramm, mit einer Vortragsreihe, öffentlichen Führungen durch die Ausstellung und pädagogischen Angeboten für Kinder, was das Engagement der Mitarbeiter zeigt, das Thema unterschiedlichen Altersklassen verständlich näher zu bringen. Die klare Linie der Vermittlung setzt sich in dem kürzlich  herausgegebenen Begleitband fort, der noch einmal alle wichtigen Ergebnisse und Abbildungen der Exponate vereint. 

Erfreulicherweise wurde die Ausstellung aufgrund der positiven Resonanz noch bis zum 11. Februar 2018 verlängert, ein Besuch lohnt sich also auf jeden Fall.

Öffnungszeiten:

Montags: geschlossen, Dienstag – Freitag: 10 bis 17 Uhr, Samstag – Sonntag: 11 bis 17 Uhr

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